Leider muss das Jahr mit einer Warnung beginnen. Es gibt diesen neuen Roman von Michael Crichton, darüber, wie intelligente, winzig kleine Maschinen nach der Weltherrschaft greifen. Crichton irrt sich. Erstens: Es sind eher die mittelgroßen Maschinen, von denen Gefahr ausgeht. Zweitens: Auf Intelligenz kommt es nicht an.

Früher habe ich hoch intelligente Fernseher gekauft, mit denen man nach Sendeschluss über die Programmqualität diskutieren konnte, oder Rührmixer mit eingebautem Ödipuskomplex. Diese Maschinen kosteten viel und trugen die Nase verdammt hoch. Aber im Grunde waren sie Weicheier wie die meisten Intellektuellen. Eine Woche nach dem Ende der Garantiezeit gingen sie kaputt. Die Reparatur kostete 300 Euro, der Restwert betrug 299 Euro.

Kauft man eben etwas Neues. Aber einen Mixer mit 299 Euro Restwert wegwerfen, das tut man nicht. Man denkt: "In der Ära Angela Merkel werden die Reparaturen bestimmt wieder billiger." Oder: "Vielleicht muss man ja nur das Mixaggregat mit dem mitgelieferten Mixwuschel reinigen. Ich sollte eine zweite Meinung einholen." Das tut man dann nie. Aber die Maschinen bleiben, und der Lebensraum des Menschen wird kleiner.

Jetzt kaufe ich also nur noch dumme Billigmaschinen, die bei der geringsten Befehlsverweigerung weggeworfen werden. Neulich ging mein CD-Player kaputt, ein 49-Euro-Teil. Ein Freund sagte: "Kauf gleich einen DVD-Player. Damit kann man auch CDs abspielen. Die Ära des Videorecorders und des CD-Players geht zu Ende." – Ich habe einen Plattenspieler. Er stammt aus den siebziger Jahren. Zu dem Plattenspieler gehört eine umfangreiche Plattensammlung. Auch sie verkleinert unseren Lebensraum, aber ich kann sie einfach nicht wegwerfen. Natürlich musste man sich trotzdem irgendwann einen CD-Player kaufen. Und einen Videorecorder. Wir haben eine hübsche kleine Filmsammlung inzwischen. Viele Videos vom Kind. Und Videos, die früher Super-8-Filme waren, die haben wir für teures Geld überspielen lassen. Sie zeigen die Ahnen, wie sie bei einer Erich-Ollenhauer-Wahlveranstaltung mit Kirschlikör auf den Fortschritt anstoßen.

Jetzt also sollen wir die Videos, die früher Super-8-Filme waren, auf DVD überspielen. In unserer Wohnung wird weiterhin der Plattenspieler mit der Plattensammlung stehen. Dazu ein CD-Player für die inzwischen recht stattliche CD-Sammlung. Denn ich will nicht vor dem Fernseher Musik hören, auch nicht am Computer. Ich will Musik hören, wie es die Menschen seit Millionen von Jahren tun, nämlich im Musik-Hör-Sessel. Auf dem alten Videorecorder steht der neue DVD-Player. Die Schränke sind voller Videos und DVDs. An der Wand hängt der neue Flachbildfernseher. Der alte Fernseher steht in der Ecke. Denn wer immer noch die alten Programme sehen will, zum Beispiel hin und wieder die Tagesschau, der muss wahrscheinlich den alten Fernseher behalten. Und dann haben wir auch noch den Computer, den Laptop, den halb kaputten alten Laptop, die zwei Telefone und drei Handys, den Drucker, den Scanner, den sensorgesteuerten Luftbefeuchter und das Küchenzeug.

Verstehen Sie? Sie vermehren sich. Sie erobern Schritt für Schritt unseren Lebensraum. Sie übernehmen die Erde. Und das Schlimmste: Sie sind nicht einmal intelligent.

Wir haben die Mikrowelle in den Hof geworfen. Wir haben das Faxgerät verbrannt. 2003: Der Kampf hat begonnen.