In den Vereinigten Staaten darf ein Arbeitgeber bei einem Bewerbungsgespräch nicht nach dem Alter eines Interessenten fragen. Er darf nicht einmal einen Lebenslauf mit Geburtsdatum verlangen. Beides verbietet das seit 1967 geltende Gesetz zum Schutz vor Altersdiskriminierung. Die American Association of Retired Persons (AARP), eine Interessenvertretung der Ruheständler, wacht über die Einhaltung. In Großbritannien gilt seit 1998 eine fast identische Regelung.

In der Schweiz dürfen Banken Konsumentenkredite nicht mit der Begründung ablehnen, ein Kunde sei zu alt. Die Schweizer Verfassung verbietet jede Diskriminierung aus Altersgründen – und schützt damit vor allem Arbeitnehmer, Kunden und Konsumenten.

In Deutschland ist ein vergleichbares Gesetz im Frühjahr nach Intervention der Wirtschaftsverbände gescheitert. Das Justizministerium brachte zwar ein neues Antidiskriminierungsgesetz ein, das auch alte Menschen schützen sollte. Das Lebensalter als Diskriminierungskriterium aber wurde in letzter Minute aus dem Referentenentwurf gestrichen.

Vor allem die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände hatte lautstark protestiert: Die Pläne seien ein Verstoß gegen das Verfassungsprinzip der Vertragsfreiheit. Praktikabel sei das Ganze ohnehin nicht: Wenn das Kundenalter bei Kaufverträgen keine Rolle mehr spielen dürfe, sei auch das ganze System der Seniorenrabatte und Jugendtickets hinfällig. Abgehakt ist das Thema damit nicht: Deutschland muss noch im Jahr 2003 eine EU-Richtlinie umsetzen, die ein Verbot jeglicher Altersdiskriminierung vorsieht. Darauf drängen Interessengruppen seit langem. Das Kölner Büro gegen Altersdiskriminierung beispielsweise fordert den Wegfall aller vertraglichen Altersgrenzen.

Solch eine Regelung hätte allerdings ihre Tücken. Wie soll beispielsweise das Datum für das Ausscheiden von Universitätsprofessoren festgelegt werden? Vieles spricht dafür, hochkarätige Forscher mit "Seniorprofessuren" an ihre Hochschulen zu binden. Immer wieder sehen sich in Deutschland erfolgreiche Mittsechziger zum Wechsel ins Ausland gezwungen, weil hierzulande starre Pensionsgrenzen weitere Forschungsarbeiten erheblich erschweren.

Ein völliges Aufheben der Altersgrenze könnte jedoch die Chancen für den wissenschaftlichen Nachwuchs dramatisch verschlechtern. Das amerikanische System, in dem es keine Altersgrenze gibt, hat seine Vorteile. Es funktioniert allerdings nur mit klaren Leistungsdefinitionen und -nachweisen und lässt sich nicht ohne weiteres auf Deutschland übertragen.

Ähnlich verhält es sich bei niedergelassenen Kassenärzten, für die eine Altersgrenze von 68 Jahren gilt. Vermutlich ist das ein klarer Verstoß gegen die neue EU-Richtlinie. Dürften die Mediziner allerdings unbegrenzt weiterpraktizieren, dann sollten Jungmediziner am besten gleich aufgeben – die Anzahl der Zulassungen ist regional begrenzt, darüber entscheiden die Kassenärztlichen Vereinigungen.

Die neue Justizministerin Brigitte Zypris schweigt zu diesem Thema. Anfang Dezember wagte sich allerdings Familienministerin Renate Schmidt vor und empörte sich über eine Bank, die einem 72-Jährigen einen Ratenkredit verweigert hatte: "Diskriminierung aufgrund des Alters ist ebenso wenig tolerierbar wie Diskriminierung aufgrund von Geschlecht oder Hautfarbe."