Karoline Hilles Buch über moderne Malerinnen ärgert sich ausführlich über männliche

Dass es um Frauen geht, sieht man sofort. Der Umschlag hat die Farbe von Schlamm in zwei Trocknungsgraden. Tarnfarbe, ziemlich defätistisch. Aus einem Streifen über dem Titel schauen Augen dem zukünftigen Leser entgegen. Keine scharfen Kriminalistenaugen mit Fadenkreuz über der Pupille wie im Tatort- Vorspann, sondern Madame-Bovary-Augen, überschattet von rotem Boudoir-Licht.

Das schmale Buch liegt gut in der Hand. Unter dem Schutzumschlag ein roter Pappband, dazu rotes Vorsatzpapier, feines Layout. " Im Porträt" heißt die Reihe, die der Reclam Verlag Leipzig veröffentlicht. Fünf Malerinnen der Moderne hat Karoline Hille in diesem Band dazu beigesteuert. Außer den fotografischen Porträts der Künstlerinnen findet der Leser allerdings kein Bild. Seltsam für ein Kunstbuch. Doch er denkt: Endlich mal etwas Bescheidenes neben den ungezählten und von Jahr zu Jahr protziger werdenden Bildbänden. Schließlich sind die Malerinnen, um die es geht, bekannt genug: Suzanne Valadon, Paula Modersohn-Becker, Gabriele Münter, Sonia Delaunay, Ljubow Popowa. Und: Lesen macht neugierig, vielleicht spornt die Lektüre zu einem neuen Museumsbesuch an.

Schön wäre das gewesen. Aber die Geschichte geht anders aus. Denn das Bänd-chen ist nicht für Leute wie dich und mich geschrieben, die sich gern mit einer "neuen Perspektive auf Leben und Werk berühmter Künstlerinnen" unterhalten lassen würden. Unter der Hand und sehr schnell verwandelt sich das Buch in etwas Lästiges, Zwanghaftes, so etwas wie ein Gespräch, das aus lauter Missverstandenem besteht und das einen am nächsten Tag nur noch mit Widerwillen erfüllt.

Männer malen auch, na und?

Warum schon wieder dieses bohrende Beharren auf dem Chauvinismus der Männer, ihrer Schnödigkeit und Überheblichkeit, mit der sie die Künstlertaten der Frauen nicht würdigen wollen? Kunstgeschichte, so Karoline Hille, sei seit dem 19. Jahrhundert fest in Männerhand. Männerclubs haben die Malergenies benannt, Machos halten ihnen die Stange. Sie haben den Verlauf einer Kunstgeschichte zusammengeschustert, die ständig vorantreibt, eine Art geistiges Wachstum mit einem Mehrwert, dessen höchster Profit Kandinskys abstrakte Malerei war. Frauenkunst spielt für diese Kunstgeschichtsmatadoren, diese Hildebrandts und Schefflers nur eine Sekundantenrolle. Na und?

Lassen wir sie doch einfach machen. Der letzte Schritt ist schon getan. Die Auflösung ihres Kunstbegriffs, die Ausdehnung dessen, was Kunst einmal war, bis zur Unkenntlichkeit – ihre geniale Avantgarde, die Kampf- und Speerspitze der Kunst, hat sich selbst erlegt.