Na ziag i gschwind an mei fesch Gwandl, Setz d’ Mützen recht keck übers Ohr, Bind d’ Hosen fest zua mit an Bandl Und hol meine Schwartling hervor. Den Schnerfer, den schweren, geschnüret; Schi heil! und jetzt wird abmarschiert. Zwoa Brettl, a gführiger Schnee, juchhe! Dös is halt mei höchste Idee

Zum besseren Verständnis: "Schwartling" sind Ski, und ein "Schnerfer" ist ein Rucksack, aber glauben Sie diesen ganzen Quatsch (bekannt aus dem Soundtrack zum Skifilm Der weiße Rausch, 1931 ) bloß nicht, "zwoa Brettl, a gführiger Schnee, juchhe!". Sooo einfach ist Skifahren nun auch nicht.

Näheres regelt zum Beispiel die Wettkampfordnung des Österreichischen Skiverbandes, Absatz VII., Skisprung, 1.0 – Die Sprungschanze: "(1)…Eine gültige FIS-Homologierung ersetzt die Genehmigung durch den Sprungschanzenreferenten des ÖSV." Des Weiteren: "Niemand darf die Sprungrichter in ihrer Arbeit stören." Wichtig zudem: "Die Anlaufspur kann auch mit Hilfe technischer Hilfsmittel (Spurfräse, Spurhobel, eingelegte Bretter oder Ähnliches) nach folgenden Profilmaßen hergestellt werden: Abstand der beiden Spur-Mittelachsen: 30 bis 33 cm. Spurbreite: 13,0 bis 13,5 cm. Spurtiefe: 1,5 cm. Die Anlaufbahn und der Schanzentisch müssen so präpariert und die Anlaufspur so eingefahren sein, dass für alle Wettkampfteilnehmer vom Beginn bis zum Schluss des Wettkampfes soweit als möglich die gleichen Gleitbedingungen bestehen."

Und wenn nicht? Wenn die Gleitbedingungen eben nicht "soweit als möglich" gleich bestehen? Was dann? Dann ist es "dem Wettkämpfer verboten, zur Erlangung einer höheren Geschwindigkeit Stöcke oder andere Hilfsmittel zu benützen oder sich durch Drittpersonen abstoßen zu lassen. Zuwiderhandelnde werden durch Disqualifikation bestraft." Nichts zu machen also. Wenn der Gesetzgeber hinter "Hilfsmittel" nicht noch eine Klammer gesetzt hätte: "(ausgenommen Skiwachs)". Juchhe!

Oder auch nicht juchhe!, weil es Wachse gibt, man glaubt es kaum: feste bis brüchige, transparente und opake, polierbare und schmelzbare, Erdölwachse, die werden aus Gatsch gewonnen, und Gatsch fällt an bei der Schmierölentparaffinierung. Und natürliche Wachse gibt es auch noch, Bienenwachs, aber das kennt man ja, das hat Strahlkraft, aber keine Gleitrelevanz. Man nimmt also die synthetischen Wachse, die, die man durch thermischen Abbau von hoch molekularem Polyäthylen produziert, und nichts anderes.

Ob sie das alles wissen, die Uhrmanns und Hannawalds, die jetzt wieder Anlauf nehmen – besonders schön über die Jahreswende zur Vierschanzentournee, wenn wir am Neujahrsmorgen verkatert die Frische der Berge sehen und darauf warten, dass der Hinterzartener Georg Thoma, 1960 Olympiasieger in der Nordischen Kombination, durch den Äther seinen Hinterzartener Neffen ankündigt: "Uiiii, jetscht kommt dr Dietr" – aber das war früher, wir schweifen ab. Um zurückzukommen: Heute sagt der Dieter Thoma als Kokommentator die Uhrmanns und Hannawalds an, wenn sie vom Berge zu Tale schweben, auf den Schwingen der Freiheit, den Adlern nur deshalb nicht gleich, weil der kritische Punkt in Zusammenarbeit mit der blöden Schwerkraft die Landung befiehlt. So romantisch könnt’s sein mit "d’ Mützen recht keck übers Ohr", aber so ist es nicht, so ist es nicht, weil sie vor dem Flug gleiten müssen auf Hydroglide G Gamma und Oxyram Plus und Hydro-Carbonat System A und – "70 Prozent liegen am Skifahrer, 20 Prozent am Material und immerhin 10 Prozent am Wachs", sagt Willi Lesch, und der muss es wissen: Er ist Material- und Logistikchef des Deutschen Skiverbandes.

Drei Sätze werden auf ewig im Gedächtnis des deutschen Skisports, Abteilung nordisch, bleiben.