Es ist ruhig geworden um Carly Fiorina. Als die ehrgeizige Chefin von Hewlett-Packard (HP) Ende 2001 ihre 19 Milliarden Dollar schwere Fusion mit dem Konkurrenten Compaq ankündigte, stand die Branche Kopf: Im HP-Vorstand debattierten sie "um das Herz und die Seele" des Unternehmens, der Sohn des Firmengründers William Hewlett organisierte einen Aktionärsaufstand, die Hauptversammlung buhte Fiorina aus. Doch inzwischen sieht es so aus, als habe die Frau ganze Arbeit geleistet.

Seit Wochen häufen sich die guten Nachrichten aus dem Hause HP – zumindest für die Aktionäre: Drei Milliarden versprochener Einsparungen werden schon ein Jahr früher als geplant erreicht. Nicht 15000 Mitarbeiter sollen entlassen werden, sondern noch mal 1800 mehr. Die Wirtschaftspresse hat ihre Angriffe auf die eiserne Chefin eingestellt, das Magazin Fortune schrieb eine ehrfürchtige Reportage aus Carlys 17-Stunden-Arbeitstag (Und jetzt an die harten Aufgaben).

An der Wall Street mag man solche Stimmungsumschwünge: Seit Oktober klettert die HP-Aktie, sogar der Abgang von Carlys Co-Chef Michael Capellas ließ die Börse kalt. Vergangene Woche stuften etliche Branchenbeobachter die Aktien der Firma auf "Kaufen" hoch. HP und Compaq – endlich mal eine erfolgreiche Riesenfusion?

Gute Zeiten für Preisbrecher

Nicht unbedingt. Fiorinas siegreiche Kostenschlacht könnte immer noch mit einem verlorenen Krieg enden. Wer sagt, dass Elefanten nicht tanzen können? heißt zwar die Biografie, die vor ein paar Wochen der langjährige IBM-Chef Louis V. Gerstner veröffentlichte. Manche Branchenkollegen fragen sich allerdings, ob Gerstner dabei vom letzten Tango redet.

Noch im Sommer hatten die meisten von ihnen mit einer demnächst wieder besseren Konjunktur in der Informationstechnik gerechnet. Seit dem Herbst jedoch schob ein Technologie-Augur nach dem anderen den angekündigten "Wiederaufschwung" um ein, zwei oder drei Halbjahre in die Zukunft hinaus. "Der Branche ist die Luft ausgegangen", glaubt Alexander Linden von der Technologieberatungsfirma Gartner Dataquest. Schon 2001 ist der Umsatz von Personal Computern zum ersten Mal seit 1985 geschrumpft – weltweit um etwa vier Prozent. Und für 2002 rechnet niemand mit deutlich verbesserten Zahlen.

Dabei hatten die Argumente für einen baldigen Frühling in der Technologiebranche lange Zeit plausibel geklungen. Die Hoffnung: Ein Ende der Konjunkturdelle würde die Unternehmen zur Expansion zwingen – und als Erstes würden sie ihre zurückgestellten IT-Anschaffungen in Angriff nehmen. Doch die Erholung bleibt unsicher, und in den Firmen – die etwa drei Viertel des Marktes für PCs ausmachen – entwickelt sich kaum Appetit auf neue Computer und Software. "Früher wurde die Hardware alle zwei bis drei Jahre ausgewechselt", sagt Dave Sanderson von der Unternehmensberatung Bain & Company, "jetzt dauert es manchmal vier bis fünf Jahre".

In den kommenden Jahren, glaubt die Investmentbank Goldman Sachs, werden die IT-Ausgaben amerikanischer Firmen nur noch um sechs bis sieben Prozent jährlich wachsen – also halb so schnell wie in den letzten vier Jahrzehnten vor dem Technologie-Crash. "Computer und ihr Zubehör sind ein gesättigter Markt geworden", sagt Gary Hamel, ein Managementberater aus Kalifornien. "Das ist wie mit den Telefonen. Der Markt dreht sich bloß noch um Ersatzteile und -geräte." Und bei den privaten PCs – ein Viertel des Gesamtmarkts – sieht es nicht besser aus: Amerikanische Haushalte gelten als überversorgt, und die Geräte leisten alles, was man von ihnen verlangt.