Der Artikel war in vielen Punkten erhellend und beschreibt zutreffend, warum gerade heute Mystery-Filme so populär sind. Die Betonung liegt auf "heute" und auf "Film".

Völlig unverständlich blieb daher für mich, dass zu dieser Auseinandersetzung zwei Geschichten herangezogen werden, die weder neu noch Film sind. Harry Potter und die Kammer des Schreckens war als Kinofilm ein Flop, populär war nur das Buch, und es ist in dem Rahmen zu analysieren wie jedes andere (Buch-)Märchen auch. Der Herr der Ringe ist weniger Ausdruck der modernen Ich-AG, sondern ein New-Age-Schinken erster Güte, wie ein Blick hinter die Buchdeckel verrät, von 1968.

Erstaunlich war auch das Resümee am Ende des Artikels, die Kinofilme ermöglichten dem Zuschauer für ein paar Stunden eine Auszeit von einer allzu rationalen, aufgeklärten Welt. Seit wann ist Kino nicht genau dafür da? Es ist mir neu, dass Kino bis zum Auftreten von Mystery-Filmen der Aufklärung diente.

Gesine Junker, Aachen

Sicher fehlt im Harry-Potter-Film das ironische Spiel mit den Versatzstücken des Genres, und der Charakter eines Entwicklungsromans aus dem Geist des 19.

Jahrhunderts wird schwer erkennbar.

Bei der Verfilmung des Herrn der Ringe ist aber durchaus die humanistische Botschaft Tolkiens erhalten geblieben - der Widerstand unterschiedlichster Ethnien vernunftbegabter Lebewesen gegen das Bestreben einer totalitären Macht, alle unter ihr Joch zu zwingen. Der Rezensent hätte sich auch mit der Entstehungszeit von Tolkiens Epos beschäftigen sollen, um zu erkennen, dass ein zwischen 1937 und 1953 entstandenes Buch, auch wenn es vom Kampf zwischen Guten und Bösen in einer erfundenen alten Welt handelt, von der Vorbereitung und dem Verlauf des Zweiten Weltkriegs beeinflusst werden musste.