So weit Journalisten zurückdenken können - trotz gegenteiliger Behauptungen ist das weiter als ein Tag, vielleicht sogar weiter als eine Generation -, ging es deutschen Zeitungen nie so schlecht wie heute. Davon bleibt der Journalismus nicht unberührt.

Vor zwei Jahren verwandelten sich kraftstrotzende Verlage innerhalb weniger Wochen in wirtschaftliche Schwächlinge, weil die Anzeigen, mit denen Verlage bis zu zwei Drittel ihrer Kosten decken, dramatisch zurückgingen. Allein im Jahr 2001 verringerte die Wirtschaft ihr Werbevolumen in überregionalen Tageszeitungen um durchschnittlich 23 Prozent, und 2002 lief es für die Branche nicht besser. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung büßte mehr als 30 Prozent ein, das Handelsblatt rund 20 Prozent und die ZEIT etwa 15 Prozent. Ein Ende der Flaute ist nicht in Sicht.

Als sei das nicht genug, finden Zeitungen kein rechtes Mittel im Kampf um die Aufmerksamkeit des Publikums. Das belegen die Reichweitenuntersuchungen im Vergleich mit anderen Medien und die Käuferzahlen einzelner Titel.

Die Krise und die düstere Zukunft nagen nicht nur am Selbstwertgefühl des einzelnen Redakteurs.

Inzwischen ist es so weit, dass man fragen muss, ob der wirtschaftliche Druck in den Verlagen nicht auch das Selbstverständnis einiger Journalisten verändert hat. Ob dieser Druck nicht dazu führt, dass in der Not journalistische Arbeit und Werbung vermischt werden, um in den Media-Agenturen auf sich aufmerksam zu machen oder um neue Erlösquellen zu erschließen. Drängend und getrieben, draufgängerisch und an sich selbst zweifelnd, gefährden einige schwarze Schafe so die ideelle und damit langfristig die ökonomische Grundlage ihres Berufes.

Es ist das jüngste Kapitel in einem Interessenkonflikt, der so alt ist wie die Zeitung selbst. Unternehmer und ihre Werbeagenturen versuchen, ihre Produkte im redaktionellen Teil zu "platzieren", wie Werber gern sagen. Auf der anderen Seite wissen Journalisten, dass ihr Arbeitsplatz von denen finanziert wird, über die sie schreiben. Die daraus resultierenden Grauzonen erlebt jeder in seinem Alltag.

Im Einzelfall kann daraus eine unangenehme Nähe zwischen den Berichterstattern und ihrem Gegenstand entstehen. Doch nicht überall hatten Artikel in der Vergangenheit einen so werblichen Charakter wie in den meisten Auto-, Reise- oder Immobilienteilen. Dort ist die zuweilen fehlende Distanz zwischen Journalist und Produkt schon so lange Usus, dass nicht zu erwarten ist, es könnte sich noch einmal ändern.