Das Arbeitsgerät könnte kaum schlichter sein: ein kleiner Plastikbeutel, darin ein quadratisches Baumwolltuch, gerade zehn mal zehn Zentimeter groß. So weiß wie die Unschuld.

Es ist die wichtigste Waffe, um Saddam Hussein nukleare Missetaten nachzuweisen. Gewiss, die Inspektoren der IAEA, der Internationalen Atomenergie-Organisation, haben vor Ort im Irak auch komplizierteres Gerät dabei: Alex etwa, den alloy expert zum Nachweis exotischer Metalle, die beim Umgang mit Nuklearmaterial verwendet werden. Dazu Strahlendetektoren, Gamma-Spektrometer und MCAs – multi-channel analyzers –, die Strahlenquellen anhand der Isotope genauer erkennen können, Uran- und Plutonium-Isotope zum Beispiel, die den Verdacht nahe legen, dass hier Kernbrennstoffe wiederaufbereitet wurden.

Die Tüchlein aber sind ihr wichtigstes Instrument. Low-Tech und also fast fehlerfrei in der Handhabung. Jedes Testset, doppelt in Plastikbeuteln verpackt, enthält Latexhandschuhe, Aufkleber und einen Stift. An verdächtigen Orten nimmt der Atom-Inspektor einen Satz der kleinen Lappen, wischt damit wie mit einem Staubtuch über Wände, Fußböden und Gerätschaften, etikettiert die Proben und schickt sie zur IAEA-Zentrale nach Wien.

Die penible Feinarbeit findet in Seibersdorf statt, einem abgeschiedenen Örtchen südwestlich von Wien. Hier, wo einst ein österreichischer Forschungsreaktor stand, bis das Land den Ausstieg aus der Atomenergie beschloss, betreibt die IAEA ihre Labors. Der Schnee liegt jetzt hoch, kalter Wind pfeift um die Flachbauten. Die Szene mutet recht sibirisch an.

Fahndung mit Mikroskop

Überwachungsproben aus Nuklearanlagen in aller Welt werden im Seibersdorfer Safeguard Analytical Laboratory unter die Lupe genommen. Seit den ersten Inspektionen im Irak vor elf Jahren ist die Ausstattung mächtig gewachsen. "Wir sind weit gekommen seit den neunziger Jahren", erzählt David Donohue, stolzer Leiter des superreinen Clean Lab, in dem die Staubtüchlein analysiert werden. Das Labor, 1995 eingeweiht, verdankt seine gute Ausstattung vor allem dem langen Zwist mit dem Irak um illegale Waffenprogramme. Ein Schild am Eingang dankt den Vereinigten Staaten für ihre Generosität. Daneben hängt ein Spaten, verziert mit dem Sternenbanner.

"Wir mögen Wischproben", sagt Spürhund Donohue, ein enthusiastischer Amerikaner. "Selbst wenn die Wände neu gestrichen wurden und der Fußboden komplett ausgetauscht wurde, um etwas zu verbergen, finden wir es" – sofern die Inspektoren die richtigen Räume erwischt haben. Was ihn treibt? "Neugier", sagt der Chemiker. "Die Politik überlassen wir anderen."

Zunächst werden die Wischproben per Gamma-Spektrometer auf Strahlung geprüft. Dann werden die einzelnen Tücher auf ein spezielles Röntgengerät gespannt. Ein Roboterarm sucht das Baumwollquadrat auf Uran-Partikel ab und stellt ihre Konzentration auf einer farbigen Karte dar. Die Daten gehen an die Auswerter im Wiener Hauptquartier. Die entscheiden, wie interessant die Ergebnisse sind und wie weiter verfahren wird.