Woran erkennt man, dass ein Künstler den Broadway erobert hat? Antwort: "He has to be hirschfelded." Hirschfeld muss ihn gezeichnet haben. Al Hirschfeld war über sieben Jahrzehnte hinweg der Theaterzeichner der New York Times, ein grandioser Vereinfacher

das Wesen seiner Modelle fing er in schweifenden Linien und exzentrischen Schlingen, seine Sketches waren Kunststücke aus curved air, aus geschmeidiger, geschwungener Luft. Ein Kollege bei der Times nannte ihn den "Fred Astaire der Feder", und tatsächlich waren seine Zeichnungen eher Bewegungs- als Charakterstudien. Hirschfeld konnte im Dunkeln zeichnen, während der Vorstellung, und das trug ihm die Berufsbezeichnung "Denkstenograf" (Hans Sahl) ein. Als seine Tochter Nina zur Welt kam, erfand Hirschfeld ein Vexierspiel, das ganz New York in Bann schlug: Er verbarg den Namen Nina in seinen Zeichnungen, im Haar, in den Brauen, im Faltengespinst der Figuren. Selbst die US-Luftwaffe nahm am Spiel teil: Sie benutzte Hirschfelds Blätter, um den Scharfblick ihrer Bomberpiloten zu testen. Eine Zweckentfremdung, welche den friedliebenden Jahrhundertchronisten Al Hirschfeld befremdet haben dürfte. Jetzt ist er in New York gestorben

er wurde 99 Jahre alt.