Manche finden, dass er den Charme eines Holzklotzes hat. Doch in Wirklichkeit ist Hartmut Mehdorn ein großer Kommunikator. Das hat der Bahnchef zuletzt mit der Tarifreform bewiesen. Denn über den Preisregimewechsel bei der Bahn regten sich die Deutschen wochenlang heftiger auf als über Rente oder Kanzlers Eheglück. So viele Worte wurden noch nie gewechselt in puncto Bahn. Endlich redeten die Menschen wieder miteinander.

Ein besonders kommunikativer Effekt der Tarifreform ist das neue Mitfahrer-Ticket. Es bringt Leute zusammen, bevor sie losfahren. Ein Kennenlernprogramm der Bahn, sozusagen. Ein Kunde zahlt den vollen Preis für sein Ticket – und bis zu vier Mitfahrer zahlen für die gleiche Strecke jeweils die Hälfte. Noch billiger wird es, wenn möglichst viele der Mitfahrer eine neue Bahncard haben und das Ticket möglichst früh gebucht wird. Nach der Tarifreform ist die Gruppenbildung interessanter geworden, denn die neue Bahncard allein spart nur noch 25 Prozent.

Fehlt nur noch der Kontakthof. Wie finden sich Leute, die eine Fahrgemeinschaft auf der Schiene bilden wollen? Durch Mitfahrzentralen. Das läuft im Prinzip so wie bei Automitfahrzentralen, aber natürlich ohne Auto. Und ohne die typischen trüb beleuchteten Büros. Denn die Bahnmitfahrzentralen agieren im Internet, sie heißen www.kartenfuchs.de , www.ticket-teilen.de oder www.fahrkarten-partner.de . Dort werden die Mitfahrer per E-Mail miteinander verbunden. Sogar die Bahn selbst, die zunächst die Gruppenvermittlung im Internet gerichtlich verbieten lassen wollte, hat sich inzwischen eine eigene Mitfahrzentrale auf ihrer Website zugelegt ( www.bahn.de ).

Rund ein Dutzend solcher Bahnbörsen gibt es derzeit, dort können sich die Nutzer für den Mitfahrrabatt (bis zu fünf Personen), aber auch für Gruppenfahrten (ab sechs Personen) oder "Schönes Wochenende"-Touren verabreden. Die virtuellen Mitfahrzentralen arbeiten ohne Vermittlungsgebühr und wurden von Enthusiasten gegründet, die damit wohl niemals Geld verdienen werden. "Die Optimierung der alternativen Mobilität ist mein Hobby", sagt Sven Koschik, der Kartenfuchs vor zweieinhalb Jahren gestartet hat. Vielleicht komme später mal ein Teil der Kosten durch Werbebanner herein. Mehr sei nicht drin. "Gebühren haben keine Chance, dann wäre die Sache tot", meint auch Michael Höfele von Fahrkarten-Partner.

Geld für die Vermittlung zu nehmen wäre eine gewagte Sache. Denn das ginge nur im Erfolgsfall – und der tritt nicht unbedingt ein, wie ein Praxistest zeigt. Drei versuchte Mitfahrerfahrten von Berlin nach Heringsdorf, Rudolstadt und Hamburg kosteten Zeit, Geduld und Nerven – und liefen schließlich per Normaltarif. Einmal hatte die in der Bahnhofshalle wartende Reiseanbieterin ein falsches Ticket, auf dem sie niemanden mitnehmen konnte. Das nächste Mal meldete sich tagelang niemand per E-Mail. Und bei der dritten Fahrt stand dann leider früh am Morgen keiner an dem von den Kartenfüchsen angegebenen Treffpunkt im Bahnhof.

Es kann anstrengend werden, das Preissystem der Bahn zu überlisten. Schon beim Kauf des Mitfahrer-Tickets muss sich der Kunde nämlich auf die Zahl seiner Mitfahrer festlegen. Hier besteht das Risiko, auf Kosten sitzen zu bleiben. Am besten, man kauft die Karte gemeinsam vor der Abfahrt und spricht sich per E-Mail oder Telefon genau ab. Am wichtigsten ist es, seine Mitfahrerreisen so früh es nur geht im Internet anzubieten/abzufragen, um die Trefferquote zu verbessern. Hinzu kommt, dass die Nutzer sich die jeweils passende und effektive Website suchen müssen.

Besonders praktisch und nutzerfreundlich ist Ticket-Teilen, das vor zwei Monaten ins Netz gestellte Mitfahrangebot des Verkehrsclubs VCD. Guten Datenschutz bietet Kartenfuchs, weil dort die E-Mail-Adresse nicht zwingend weitergegeben wird – und somit möglicherweise unerwünschte, belästigende Post ausbleibt. Die Plattform Fahrkarten-Partner wiederum bietet den Überblick über die Angebote von insgesamt neun Bahnfahrerbörsen.