CHEZ MAURICE: Am Abend sind die Straßen in unserer Hauptstadt nicht so voll wie in Paris oder London. Die Erklärung ist einfach: Die Berliner hocken alle in den Kneipen. Dem Zeitgefühl entsprechend sind dies keine Kneipen wie im Ruhrgebiet, wo die Beilage zum Bier aus kaltem Kotelett und hart gekochten Eiern besteht. In Berlin sind die Sattmacher anderer Art, außerdem wird weniger Bier getrunken. Daher die immense Zahl von Weinkneipen. Zu dieser Sorte gehört das Maurice, an der Genze zwischen Berlin-Mitte und Prenzlauer Berg gelegen, das sich als Weinhandlung und Bistro deklariert. In den Fenstern und an den Wänden nichts als Flaschen. Der Gast sollte sich dort den Wein zum Essen aussuchen, denn das Angebot der Weinkarte ist dürftig. Dagegen sind die Speisen erfreulich, nämlich gut gewürzt und preiswert. Bistroküche, wie gesagt. Das beginnt mit der Zwiebelsuppe, es folgen Schnecken und Rote Bete als Suppe. Letztere war reizlos, weil sie außer nach Natur nach nichts schmeckte. Die Schnecken lagen absurderweise in einer sahnigen Sauce, aber die Zwiebelsuppe war ein angenehmer Übergang zu den gelungenen Hauptgerichten. Ein Hirschragout und ein Spanferkelrücken wurden zwar vom gleichen Gemüseberg begleitet, waren aber zart und gut gewürzt. Auch das Entengulasch war eines Bistros würdig und die Süßspeisen ohne Fehl und Tadel (Parfait, Crème brûlée, Tarte Tatin). Schrille Musik und plumpe Gläser bei den offenen Weinen stören das fast schon seriöse Publikum offenbar nicht.

Chez Maurice, Bötzowstraße 3, Prenzlauer Berg, Tel. 030/425 05 06, So und Mo ab 18 Uhr, Di bis Fr ab 11 Uhr, Sa ab 10 Uhr geöffnet