Mit Athene und Aphrodite gegen die amerikanische Vorgartenkultur - gleich einen ganzen antiken Götterwald hat Papa Portokalos auf seinem Rasen versammelt. Im Chicagoer Einfamilienhaus des Griechen geht die Assimilierung den umgekehrten Weg. Schließlich wurden Demokratie, Astronomie und Philosophie von Portokalos' Landsleuten erfunden und nicht etwa vom unkultivierten Yankee-Pack. Vor keinem semantischen Attentat schreckt der Nationalismus des Patriarchen zurück, selbst das Wort Kimono wird über geschickt verknüpfte Etymologien zur griechischen Erfindung. Solche Kultur will gehegt, gepflegt und vor allem fortgepflanzt sein. Tatsächlich lässt uns Portokalos' altjüngferliche Tochter Toula zu Beginn von My Big Fat Greek Wedding wissen, dass griechische Frauen aus drei Gründen auf dieser Welt sind: um einen griechischen Mann zu heiraten, griechische Kinder zu bekommen und für die griechische Großfamilie bis zum Lebensende zu kochen.

Nia Vardalos, die das Drehbuch geschrieben hat und auch die weibliche Hauptrolle spielt, pinselt in My Big Fat Greek Wedding diesen griechischischen Kulturbiotop mit geradezu barocker Sinnenfreude aus, sodass auch der Zuschauer nicht umhinkommt, die durchgedrehte Familienbande gerade wegen ihrer ländertypischen Eigenarten ins Herz zu schließen. Bei den Zusammenkünften des Clans melden sich auf den Namen Nick 27 Cousins gleichzeitig zu Wort. Nächtens wird die schwarz gekleidete Oma eingefangen, weil sie wieder einmal auf der Flucht vor den Türken ist. Kleine intime Abendessen nehmen die Ausmaße eines Schützenfestes an, und die weiblichen Mitglieder der Familie versehen jede Lebenssituation mit ihren küchenpsychologischen Sentenzen.

Es ist eine tribalistische Lebensform im Herzen einer US-Stadt, eine Existenzweise, die ihre eigenen Gesten, Riten, Ausdrucksformen, ihren eigenen Rhythmus und ihre spezifische Dezibelstärke hat. Die soziokulturelle Umgebung wird hingegen mit fröhlicher Gleichgültigkeit betrachtet - bis auf eine einzige Ausnahme: Das Fensterputzmittel Windex, für Vater Portokalos eine Art Wunderheilmittel, das Pickel genauso wie Seelenschmerz heilt, ist die einzige amerikanische Errungenschaft, der ein gewisser zivilisatorischer Wert zugestanden wird.

Natürlich sind solche selbstbezüglichen, hermetischen Kultursysteme in Komödien ausschließlich dazu da, um mit fröhlichem Sadismus zerstört oder zumindest mächtig aus der Balance gebracht zu werden. In der Tat zieht My Big Fat Greek Wedding seine Komik aus einer klassischen Mesaillance: Toula verliebt sich nicht etwa in einen der 27 Nicks, sondern in den smarten Highschool-Lehrer Ian Miller (John Corbett). Der Auserwählte ist ein Musterbeispiel an intellektuellem Liberalismus, besitzt genügend Humor, um als Vegetarier auch die rituellen Suflaki-Schlachten durchzustehen oder sich einer Phalanx hysterischer griechischer Schwiegertanten zu erwehren. Das Problem sind eher seine Eltern, ein blutleeres, blasiertes WASP-Ehepaar, das die Rentnertage im geschniegelten Bungalow verbringt und seine vorgestanzten Konversationsmodule mit fein ziselierten Rassismen schmückt. Schnell ist klar, dass mit der Hochzeit von Ian und Toula ein kulturpsychologischer Kraftakt verbunden ist, wobei Zwicks Film seine komödiantische suspense aus den permanenten Vorahnungen der bevorstehenden Konfrontationen zieht. Etwa, wenn Ians Eltern beim ersten Treffen mit der gegnerischen Familie noch verängstigt im geparkten Auto sitzen, während im Vorgarten des Portokalos-Clans zu Fackelschein und gegrilltem Hammel so etwas wie eine heidnische Verlobungsorgie stattfindet.

Dennoch ist dieser Low-Budget-Film, der in den Vereinigten Staaten die gigantische Überraschungssumme von mehr als 100 Millionen Dollar eingespielt hat, nicht einfach nur eine fröhliche kleine Multikulti-Komödie, die den Nachweis erbringen soll, dass die einen nicht so orientalisch und die anderen nicht so engstirnig sind, wie sie zunächst vorgeführt werden. Zwar geht es um eine Synthese von vegetarischer Schonkost und fetten Lämmern, lebensprallen Dogmen und amerikanischen Mittelklassevorurteilen, doch der kluge Charme von My Big Fat Greek Wedding liegt in seinem offensiven Umgang mit Stereotypen.

Letztere werden hier nicht überdehnt, um ad absurdum geführt zu werden, sondern um ihren wahren Kern zu entblößen - was durchaus etwas Befreiendes hat.

Es geht also weniger darum, die Klischees zu zertrümmern, als in ihrer komischen Übersteigerung ihre kleinste, unzerstörbare Wahrheit sichtbar zu machen. Ein echtes Miteinander ist in My Big Fat Greek Wedding demnach nur möglich, wenn sich einer der beiden Verlobten völlig an die andere Kultur anschmiegt, und es hat etwas durchaus Sympathisches, dass es in diesem Fall die männliche Hauptfigur ist. Das mag zwar nicht ganz in die Melting Pot-Mythologie passen, entspricht aber dem Pragmatismus einer großen Liebe, die nur im Herzen der Großfamilie lebbar ist. Manchmal, so die bittersüße Erkenntnis dieses Films, bringt es eben doch mehr, die Unterschiede anzunehmen - die Wahrheit liegt sowieso irgendwo zwischen der Vorgarten-Athene und den weißen amerikanischen Gartenzäunen.