In der Bücherflut über den Islam die Spreu vom Weizen zu trennen fällt immer schwerer. Dabei sind die wenigsten Autoren wirklich unseriös. Doch die sachlicheren unter ihnen schreiben oft knochentrocken, während diejenigen mit schriftstellerischem Ehrgeiz ihre persönliche Sicht der Dinge allzu gern mit den Tatsachen verwechseln.

Mostafa Danesch findet den Mittelweg. Der iranische Journalist, der in den sechziger Jahren zum Studium nach Deutschland kam, ist einer der besten Kenner Zentralasiens. Seit zwanzig Jahren berichtet er für das Fernsehen und für Nachrichtenmagazine aus Afghanistan, dem Iran und der arabischen Welt, oft unter Lebensgefahr. Die Berichte davon verleihen seinem Buch eine abenteuerliche Lebendigkeit. Doch nirgendwo wird die Anekdote um der Anekdote willen erzählt. Es geht immer darum, die tatsächlichen Verhältnisse zu illustrieren.

Als säkularer, eher links orientierter Iraner hält Danesch eine gesunde Äquidistanz zum Westen wie zur islamischen Welt. Den Ursprung des gewalttätigen Islamismus verortet er im Kalten Krieg und in der politischen und wirtschaftlichen Misere der arabischen Staaten. In großem Stil exportierten die arabischen Länder in den achtziger Jahren junge Männer nach Afghanistan, vor allem, um Protestpotenzial im eigenen Land loszuwerden. Die jungen Algerier und Saudis, die in ihrer Heimat keine Arbeit fanden und keine Familie gründen konnten, durften sich in Afghanistan austoben und bekamen zum Lohn oft eine Frau aus den Reihen der zwangsverschleppten Kriegsgegner. Die USA unterstützten diese Bewegungen von Pakistan aus mit Waffen und Geld. Der Opiumanbau in Afghanistan wurde gezielt gefördert, um die sowjetischen Soldaten zu Rauschgiftsüchtigen zu machen - was tatsächlich zum Teil gelang.

Die Umstellung der afghanischen Landwirtschaft weg vom Opium ist derzeit eine der dringlichsten Aufgaben der neuen Regierung.

Die Protagonisten des neuen Afghanistan kennt Danesch aus über zwanzig Jahren Afghanistan-Berichterstattung gut - zu gut, um die Erfolgsaussichten der neuen Regierung nicht äußerst skeptisch zu beurteilen. Demokraten, wie der Westen sie gemeinhin versteht, sind in dieser Regierung nicht versammelt.

Fast alle afghanischen Minister haben an der Zerstörung und Zersplitterung des Landes seit dem Abzug der Sowjets mitgewirkt, zeigt Danesch. Nur Ministerpräsident Karsai ist ein vergleichsweise unbeschriebenes Blatt. Ein Vorteil, der in der afghanischen Stammesgesellschaft ein Nachteil ist, denn wenig verbrochen zu haben ist gleichbedeutend damit, wenig Macht zu haben.

Auch Daneschs vorbildliche Analyse der iranischen Revolution wird in persönlichen Erfahrungen verankert. Wie die meisten Iraner war Danesch froh, als der Schah 1979 von Chomeini vertrieben wurde, und hoffte auf einen demokratischen Neuanfang. Doch Chomeini verstand es, in den ersten drei Jahren der Revolution mit brutalsten Mitteln alle innenpolitischen Gegner auszuschalten. Zu den unheimlichsten Schilderungen des Buchs zählt Daneschs Besuch bei Ajatollah Chalchali, dem iranischen Robespierre, der Todesurteile im Minutentakt fällte und den Gast aus Deutschland freimütig zu einer seiner "Verhandlungen" einlud. Obwohl auch ein Bruder Daneschs dem Regime von Chomeini zum Opfer fiel, versagt sich der Autor pauschale Verurteilungen und differenziert stets zwischen dem Islam als Religion und dem Missbrauch des Islam durch die Regime in der islamischen Welt. Von Lösungsvorschlägen sieht er ab: Er ruft den Leser zu eigenem Nachdenken auf.