Da hat man 2000 Quadratmeter Ausstellungsraum bewältigt, glaubt, man hätte alles gesehen - und sieht das: An eine Wand im Innenhof schreibt ein grüner Laserstrahl Buchstabe für Buchstabe "Die Hauptsache ist immer unsichtbar".

Texte, Fotos, Videos, Installationen, alles, was die österreichische Künstlerin Valie Export derzeit in der Berliner Akademie der Künste (bis zum 9. März) offensichtlich macht, sind Mediale Anagramme, sichtbare und doch unsichtbare Botschaften. Schon in den frühen siebziger Jahren, als der Fernseher in die Familien einzog, ahnte Export eine durch und durch medialisierte Gesellschaft voraus, die alles, was sie offen zeigt, gerade nicht mehr offen lässt. Export nannte sich Medienkünstlerin und ging Medienbildern und Zeichen nach, um sie als Projektionen zu entdecken. Doch wo, fragte sie, ist die Leinwand? Sie filmte Vater, Mutter, Tochter und Sohn beim abendlichen Fernsehkonsum und strahlte diesen Film im Fernsehen aus. Wir stehen gebannt und sehen, wie sich alle beim Fernsehen zusehen. Die Projektionsfläche sind wir selbst. Und ist vor allem der weibliche Körper, wie Export immer wieder auch an sich erkundet hat. So zeigt die Werkschau auch die Videodokumentation ihres TAPP und TASTKINOS von 1968: Eine Box mit zwei verhüllten Öffnungen vor den Oberkörper geschnallt, lud Export während einer Straßenaktion die Passanten dazu ein, das Minikino mit den Händen zu besuchen. Und tatsächlich ließ sich der eine und der andere in aller Öffentlichkeit bei der Vorführung ertappen - und ertappte sich dabei, selbst zu be-greifen, was mit den Augen nicht zu sehen war: der Frauenkörper als virtuelles Bild. Wie Bilder Wirklichkeit erzeugen und über Sehgewohnheiten sich auswachsen zu ideologischen Strukturen, zeigt Export etwa in der fotografischen Nachstellung von Michelangelos Pietà, eines alten Vor-Bildes konstruierter Weiblichkeit. Ihre Geburtenmadonna von 1976 sitzt auf einer Waschmaschine und senkt den Blick auf die aus der Maschine wie Blut zwischen ihren Schenkeln hervorquellende Wäsche. Und wo bin ich, fragt Valie Export, wenn alles Entfremdung ist? "Ich bin da, wo ich ,Verschwinden' inszeniere", da, wo ihre Kunst die Wahrnehmung schärft für das Unsichtbare.