Der Golem, die Automate, der Android, der Cyborg: Künstliche Lebewesen zu basteln, sich damit den Göttern gleichzumachen und vor ihrer Fähigkeit, sich zu emanzipieren, zurückzuschaudern hat Tradition. Galt allerdings lange als unheimlich, wenn etwas gleichzeitig starr war und lebendig tat, so verdrehen jetzt die Puppetmastaz die Vorzeichen: Nicht irritierend, sondern sympathischer, ja authentischer als ihre menschlichen Pendants sind sie, diese singenden Handpuppen - eine Toy-Group witziger als jede Boy-Group.

Von der musikalischen Seite her ließen die Stücke auf Creature Funk, ihrem ersten Album (Labels/Virgin), sich als verschärfter HipHop beschreiben. Neben übersteigerten Hymnen auf das leichte Leben am Strand und die Busenwunder dieser Welt krempeln die Puppetmastaz auch die eitle Kultur verbaler Wortgefechte nach links, bis sie über sich selbst stolpert, über ihre Gegenwart, die längst zum sexistischen und selbstgerechten Kasperletheater heruntergekommen ist.

Das Ergebnis ist eine anarchistische Rappelkiste aus gesampelten Blauhörnern und Sitars, Wurlitzer-Sounds aus dem Zirkus und Hammondorgeln aus der Geisterbahn. Die Breakbeats bollern wie beim digitalen Hardcore, zwischendurch bläst einer die Blockflöte, ein Telefon klingelt, jemand rülpst, und gleich daneben machen Frösche den Macker. Man muss die grotesken Shows der Puppetmastaz gar nicht gesehen haben, um sie sich vorzustellen, wenn man sie hört: wie sie mit ihren zerknautschten Köpfen wippen und mit den Ärmeln ihrer hippen Trainingsjacken wedeln.

Mr. Maloke aus Crooklyn, der Maulwurf, und Snuggels, der lispelnde Hase, als geheime Stars der Bande - ist das nicht unheimlich albern? Ja, könnte man sagen. Man könnte aber auch sagen, dass die Puppetmastaz - die nicht zufällig Tiere geben und keine Menschen und abgesehen von den Muppets kaum Vorbilder haben - nur deshalb geknetet wurden, um alles, was um sie herum kreucht und fleucht, auf die Schippe zu nehmen. E. T. A. Hoffmanns Olympia oder Ridley Scotts Replikanten würden empört mit den Augendeckeln klappern, nähme man sie so unernst

ebenso virtuelle Popstars wie zuletzt die Gorillaz, die vor allem für die Kaufkraft jugendlicher Zielgruppen programmiert wurden, und erst recht Kraftwerk oder Daft Punk mit ihren bedeutungsschweren Maschinenmasken.

Bei den Puppetmastaz herrscht echte verkehrte Welt. Nicht sie sind künstlich, wir selbst sind es, die sich in ihrer Nähe unnatürlich fühlen. Wir beneiden diese seltsamen Popstars, die keine sind, um ihre Macken und Sprachfehler, ihre verschrobene Musik, das Zufällige und Subjektive - alles, was wir bei uns manchmal vergeblich suchen.