Mit einer neuen Steuerart wollte die rot-grüne Regierung zum großen Befreiungsschlag ansetzen. Zum einen sollte mit der Abgeltungsteuer endlich die leidige Debatte um die Vermögensteuer beendet werden, zum zweiten sollte damit Fluchtgeld in Milliardenhöhe ins Inland zurückgeholt werden.

Nach der ersten Begeisterung zeigt sich, dass der Erfolg von der Gestaltung der Details der neuen Steuer abhängt. Und genau dort sind noch viele Fragen offen. Die Abgeltungsteuer ist bislang eine reine Zinssteuer. Nach dem ersten Entwurf sollen Zinsen aus Sparguthaben, Bausparverträgen, Festgeldern und festverzinslichen Wertpapieren mit einem pauschalen Satz von 25 Prozent versteuert werden. Eine Angabe in der Steuererklärung ist nicht mehr nötig, die Steuerschuld ist abgegolten.

Dividenden tauchen in den Vorschlägen bislang nicht auf. Sie würden danach weiter mit dem halben persönlichen Einkommensteuersatz belastet. "Eine einheitliche Regelung aller Kapitalerträge wäre besser", sagt Philipp Nimmermann, Volkswirt bei der ING-BHF-Bank in Frankfurt.

Neben der Besteuerung von Aktiendividenden – und damit auch Aktienfonds – ist die Behandlung von Zerobonds und Finanzinnovationen nicht geklärt. Zerobonds oder Null-Kupon-Anleihen zahlen keine Zinsen, stattdessen steigt der Anleihekurs stetig mit der Laufzeit. Sind die Zuwächse nun Zinserträge oder Kursgewinne?

Dieses scheinbar philosophische Detail ist viel Geld wert. Schließlich sollen nach den Regierungsplänen Zinserträge demnächst mit 25 Prozent, Kursgewinne aber nur mit 15 Prozent versteuert werden. "Das Prinzip der Gleichbehandlung der Steuerzahler wird immer mehr durchbrochen", kritisiert Alfred Boss vom Institut für Weltwirtschaft die unterschiedlichen Sätze.

Lange galt die eherne Regel, dass alle sieben Einkunftsarten, die das deutsche Steuerrecht kennt, in gleicher Höhe besteuert werden. Nach der Unternehmensteuerreform wird der einbehaltene Gewinn einer Kapitalgesellschaft mit weniger als 40 Prozent besteuert. Der Spitzensteuersatz in der Einkommensteuer beträgt hingegen 48,5 Prozent. Nun sollen bei Kapitaleinkünften zwei weitere unterschiedliche Sätze eingeführt werden. "Zumindest bei Kapitalerträgen und Veräußerungsgewinnen sollte es zu einer einheitlichen Besteuerung kommen", fordert Volkswirt Nimmermann.

Für eine Gleichbehandlung sprechen sich auch die acht führenden deutschen Wirtschaftsverbände aus. Je niedriger dabei der einheitliche Satz ist, desto mehr der schätzungsweise rund 200 bis 300 Milliarden Euro, die derzeit von Bundesbürgern im Ausland angelegt sind, kommen zurück auf heimische Konten und Depots.

Für die Rückkehrer sind Bußsteuern geplant. Zeigt sich ein Kapitalflüchtling selbst an, geht er bis Ende 2003 straffrei aus, wenn er 25 Prozent seines Kapitals an den Fiskus überweist. Wer zögert, muss bis Mitte nächsten Jahres 35 Prozent zahlen. Danach soll es keine Gnade mehr geben. Durch diese Regelung will Bundesfinanzminister Hans Eichel 100 Milliarden Euro zurückholen. Der Mainzer Finanzwissenschaftler Rolf Peffekoven bezweifelt allerdings, dass viele Steuersünder das Angebot nutzen.