Eine Frau und ein Mann legen Hand an. Erich hat sich ein Bein gepackt, Bettina schnappt sich den Arm auf der anderen Körperseite. Dann ziehen beide synchron, dass es knackt und bis es erst weh-, dann wohl tut. Lomi-Lomi-Nui heißt die vierhändige Massage von den Hawaii-Inseln und durfte dort nur Insulanern königlichen Geblüts verabreicht werden. Die Masseure sangen dabei. Das müssen Bettina und Erich noch üben. Ansonsten sind sie von einem Österreicher, der auf Hawaii lebt und die Königin der Massagen nach Europa gebracht hat, präzise instruiert worden. Das Duo kriegt in 75 Minuten jeden Betonrücken weich.

Lomi-Lomi-Nui kokettiert mit der Huna-Philosophie, die lehrt, dass Geist und Seele nur frei sind, wenn der Körper entspannt ist. Deshalb wird er so lange gewalkt, geknetet, gestreichelt und geölt, bis er von der Liege abhebt, einen geistigen Zustand erreicht und an eine urtümliche Wahrnehmung aus Babytagen andockt: Freiheit. Alles ist auf einmal wieder möglich, kein Weg verbaut. Wer sich als Häuflein stressgeplagten Unglücks und so, wie Gott ihn erschaffen hat, der ganzheitlichen Massage überließ, torkelt danach auf unsicheren Beinen von der Pritsche und fühlt sich je nach Bedarf entweder als Adonis oder Herkules, Venus oder Powerweib. Mehr Massage fürs Selbstbewusstsein gibt’s nicht.

Gisela Holleis, 72, und ihr drei Jahre jüngerer Mann Wilhelm haben die Messlatte immer hoch gehängt. Einst starteten sie ihren Betrieb als Frühstückspension, inzwischen sind sie beim "Genießerhof", von fünf Sternen bekränzt, angekommen. "Unser Leben ist das Hotel", sagt die Chefin, die den ganzen Tag im Haus unterwegs ist. Alle Ideen hat das Ehepaar ausgebrütet: Vergrößerung des Grundstücks durch Zukauf auf 6000 Quadratmetern, Gartenpark mit Bade-Biotop und freier Sicht auf die Berge rund um den Alpensee, "Wellness-Schlössl", auf dessen drei Etagen sich alles ums Saunieren, Therapieren und Schönwerden dreht. Dazu Schmankerlbüfett, altösterreichische Süßspeisen, Vitalkost, Naturküche, vom GaultMillau behaubt. Selbst CDU-Generalsekretär Lorenz Meyer döst ohne dämonische Aura im Liegestuhl. Hat er die einstündige Gesichtsbehandlung absolviert? Mit Hautanalyse, Reinigung, Peeling mit Frimator unter aktivem Sauerstoff oder Kräuterdampf, Korrektur der Augenbrauen, Wirkstoffampulle, Massage und Packung?

Der Salzburgerhof ist traditionell-lieblich und modern-kühn zugleich. Als das Besitzerehepaar im vergangenen Jahr erfuhr, dass trendige Badekultur bald ohne Dampfbad neben der Duschkabine nicht mehr auskommen wird, wurde ein Teil der Suiten damit versehen. Das mehrte die internationale Fangemeinde. "Gegen eine innovative Verwöhntechnik kann man doch nichts einwenden", schmeichelt die Frau des Hauses. Und hat wieder ihr lächelndes Brütegesicht.

Hotel Salzburgerhof, Auerspergstr. 11, A-5700 Zell am See, Tel. 0043-6542/76 50, Fax 765 66, www.salzburgerhof.at , E-Mail: 5sterne@salzburgerhof.at . Arkaden-Hallenbad mit Gegenstromanlage und Felsen-Whirlgrotte. Biotop mit Schwimmteich, Quellensprudelbad, Liegewiese und Saunawelt (vom osmanischen Dampfbad bis zur Almsauna), Fitness-, Kraft- und Cardiocenter sowie Raum der Stille. DZ ab 110 Euro, Suiten ab 140 Euro. Arrangements als Gourmet-Halbpension oder Wellness-Urlaub mit diversen Behandlungen. Transfer zu den Skilifts