Als sie geboren wurde, waren es auch in ihrer Heimat schlechte Zeiten. Die Eltern besaßen einen Bauernhof, und der Vater hatte auf einen Sohn gehofft.

Sie scheint kräftig gewesen zu sein, ein Kind, das immer Hunger hatte. Man riet der Mutter, das Baby auf den Bauch zu legen und ihm einen Nuckel zu geben. Da dieser aus einem mit Alkohol getränkten Tuch bestand, gab es eine Weile Ruhe. Als sie mit 15 Monaten laufen lernte, konnte sie schon sprechen und singen. Der Knecht, den sie sehr liebte, schenkte ihr ein Kinderklavier, als sie vier Jahre alt war. Bald darauf kaufte der Vater eine alte Heimorgel.

Sie lernte schnell nach dem Gehör zu spielen. Auch brachte sie sich selbst das Notenlesen bei.

Unter den Nachbarskindern war sie die Jüngste und wurde ausgelacht, weil sie noch nicht lesen konnte. Mit der Zeitung in der Hand ging sie zu ihrer Mutter. Sie wollte unbedingt die großen Buchstaben lernen und gleich anschließend die kleinen. Abends konnte sie lesen. Da war sie fünf.

Es fiel auf, dass sie eine schöne Stimme hatte. Singen war für sie das Schönste auf der Welt. Besonders der Vater war stolz wie ein Spanier auf seine Tochter. Sie sollte immer ihren eigenen Willen haben - solange der mit seinem eigenen identisch war.

Als sie in die Dorfschule kam, wurde sie gleich in die zweite Klasse gesteckt, weil sie so gut lesen konnte. In der Volksschule bemerkte der Lehrer, dass sie das absolute Gehör hatte. Er ließ sie die Gesangsstunden begleiten und manchmal auch leiten. Er war mit ihr der Meinung, dass sie Musik studieren sollte. Doch die Eltern dachten nicht daran, der Tochter den Wunsch zu erfüllen. Der Vater fand, dass es nichts Schöneres gäbe als die Arbeit auf einem Bauernhof. Für sie war es ein Schock. Um ihr wenigstens eine Freude zu machen, durfte sie mit 14 Jahren Klavierunterricht nehmen. Der Lehrer war auch Kantor und nahm sie in den Kirchenchor auf. Mit einer Freundin ging sie einmal unerlaubt zum Tanzen, weswegen sie zu Hause Krach bekam und bestraft wurde.

Ihren Wunsch, Sängerin zu werden, nahm zu Hause niemand ernst. Sie versuchte einem anderen Kantor vorzusingen, der Gesangstunden gab. Nach dem ersten Lied sagte der: Das war sehr schön. Das Fräulein wird ganz sicher eine große Sängerin werden. Er machte ihr Mut und unterstützte sie, doch der Vater blieb bei seiner Ablehnung.