Def Poetry Jam am Broadway, das ist ungefähr so, als würde man ein Rudel Tiger im Streichelzoo loslassen. Neun zornige junge Rapper, vom New Yorker HipHop-Mogul Russell Simmons auf die Bühne gebracht (noch bis Februar, Longacre-Theater), schlagen dem Publikum all das um die Ohren, was sich das Fernsehen nicht zu senden traut - in Gedichtform. Aber was heißt schon Gedicht - die Worte werden im Stakkato herausgefeuert und biegen und strecken sich wie sonst nur die Leiber der Chorusmädchen. Das Ganze mal mit Musik, mal ohne. Def Poetry ist ein Gedichtfeuerwerk, wie es der Broadway noch nicht gesehen hat. Steve, zum Beispiel, der einzige Weiße auf der Bühne (auch das ist recht ungewöhnlich am Broadway), hat eine Frage: Wer sind denn die wahren Terroristen? Das seien doch Katherine Harris und John Ashcroft. Denen da oben traue er zu, 2800 Leben zu opfern, um einen Grund für den Krieg zu haben (auch George W. Bush kommt nicht sehr gut weg). Dann eine Elegie: Georgia Me, die den Tod einer Freundin beschreibt, die von ihrem Ehemann umgebracht wurde. Als nächstes Suheir Hammad, eine Jamaicanerin. Sie sei jetzt, rappt sie, zur Palästinenserin geworden. Def Poetry ist aber kein klassisches Agitprop-Theater. Das Stück fällt immer wieder ins Ironische, sanft Verspielte. "I wanna hear a poem where ideas kiss similes so deeply that metaphors get jealous", dichtet Poetri, ein runder (sehr runder) dunkelhäutiger Junge. Poetri deckt eine Verschwörung des weißen Mannes auf: Die Krispy Kreme Kroissants seien - das erkenne man schon am Namen - vom Ku-Klux-Klan erfunden worden, um den schwarzen Mann dick zu machen und ruhig zu stellen. Damit der die Verschwörung nicht bemerke, sei die Marke in Krispy Kreme Donuts umbenannt worden. Plötzlich ist wieder Schluss mit sanft: Beau Sa tritt auf, der "chinesische Hulk". Er simuliert einen Karateschlag. Eine Milliarde Chinesen werden die weißen Amerikaner das Fürchten lehren. Sehr bald. "Ihr wolltet die Globalisierung - jetzt fliegt sie Euch ins Gesicht."

Das ganze Stück fliegt dem Zuschauer ins Gesicht. Ein zweistündiger, atemloser Windstoß. "Frühling im Land der Mottenkugeln", jauchzte selbst die altehrwürdige New York Times. Am Schluss kommt die ganze Truppe auf die Bühne. Und rappt "Wir sind Amerika".