Offensichtlich gibt es für Joschka Fischer und seine Kollegen zurzeit kaum eine spannendere Veranstaltung als - ja, tatsächlich - den Konvent über die Zukunft Europas. Von Mal zu Mal wächst die Zahl der Regierungsmitglieder, die das Brüssler Treffen besuchen. Fischer und sein französischer Amtskollege Dominique de Villepin reisten Anfang der Woche gar vom Sicherheitsrat in New York über Nacht nach Brüssel, um dort sprechen zu dürfen - jeder vier Minuten lang. Anschließend lauschten sie dann unverdrossen anderen Kurzbeiträgen über die künftige Verfassung Europas - gemeinsam mit dem belgischen Außenminister Louis Michel, der Spanierin Ana Palacio und anderen.

Natürlich, die Bedeutung der Teilnehmer sagt nicht automatisch etwas über den Wert einer Veranstaltung aus. Doch in Brüssel gilt die heimliche Invasion der Honoratioren inzwischen als Zeichen dafür, dass sich der anfangs eher belächelte Konvent zu einer heimlichen Regierungskonferenz mausert. Wenn das stimmt, könnte das Unterfangen schließlich gar die Euroskeptiker Lügen strafen. Die Regierungen werden den Verfassungsentwurf jedenfalls ernst nehmen müssen - schon um ihre eigenen Vertreter nicht zu brüskieren. Kein Wunder also, dass diese die Debatte in ihre Richtung drehen wollen. Das deutschfranzösische Duo machte dabei nun erst einmal eine bittere Erfahrung.

Mit erstaunlicher Einmütigkeit lehnten fast alle anderen Delegierten ihren Vorschlag einer europäischen Doppelspitze als ineffizent ab. Das letzte Wort ist damit nicht gesprochen. Als sicher gilt in Brüssel nur eines: Zumindest beim Reden hat Europa bereits Effizienz bewiesen. Wo sonst schaffen es Minister, ihre europäischen Visionen in vier Minuten zusammenzufassen?