Kein Text, man wird sich bei dieser Begegnung mit Havana auf die Augen verlassen müssen. Nur Bilder, dazu die allernotwendigsten Angaben, etwa: "Wohnung der Señora Luisa Faxas", die ist hier rechts zu sehen. Die Fotografien von Havana zeigen die Orte, an denen der Verfall und die Hoffnung sich noch miteinander bekannt machen müssen. Die Vitalität der Stadt steckt nicht in den Luxushotels, sondern in diesen schimmelnden Fassaden, Treppenhäusern, Höfen und Wohnzimmern. Beim Blättern dann doch, mitten im Bildband, kaum eine Seite lang, ein melancholischer Essay, der sagt, es sei die Architektur der alten Kolonialstadt, die vom 16. bis zum 19. Jahrhundert "klug auf Menschenmaß" zugeschnitten gewesen sei. Gewiss ist: Diese Stadt schreit nach mehr als nur Geld, um gerettet zu werden. Sie braucht den Sinn für die Schönheit und Gerechtigkeit, der an Jahrhunderten geschult ist, nicht nur an der Gegenwart.

Robert Polidori: Havana

Hrsg. von Elizabeth Culbert, mit einem Essay von EduardoLuis Rodrøguez

Steidl Verlag, Göttingen

123 S., 74,- e