Ich selbst bin seit drei Jahren Angestellter im öffentlichen Dienst. Nach 20 Jahren Tätigkeit in der freien Wirtschaft weiß ich die Vorteile meiner Anstellung besser einzuschätzen als die meisten meiner Kolleginnen und Kollegen, die im öffentlichen Dienst aufgewachsen sind und nie woanders geschnuppert haben.

Ganz gewiss nie "woanders die Nase reingesteckt" haben ja wohl die Damen und Herren der Tarifkommission mit ihren garantierten Arbeitsplätzen. Ob im Laufe dieses oder des nächsten Jahres für die Finanzierung des Abschlusses eine gewisse Zahl von Arbeitern und Angestellten des öffentlichen Dienstes dem freien Arbeitsmarkt zur Verfügung gestellt wird, ist wohl nicht so wichtig wie das Bestreben, sein Gesicht nicht zu verlieren. Umso mehr bezeichne ich eine kollektive Erpressung des Volkes zum Wohle Einzelner schlicht und ergreifend als unverschämt.

Stefan Schissler, Neunkirchen

Ich bin von Beruf Landschaftsplanerin (Dipl.-Ing., Uni), 50 Jahre alt, ledig, keine Kinder. Ich arbeite in einem Planungsbüro zusammen mit sieben anderen Kollegen (einschließlich Sekretärin und Zeichnerin). Mein Verdienst liegt heute bei 2520 Euro. Ich habe eine 40-Stunden-Woche und einen Urlaubsanspruch von 25 Tagen. Ansprüche auf Urlaubs- oder Weihnachtsgeld gibt es nicht. Der Verdienst ist für Planungsbüros unseres Berufsstandes (welche ja auch zur privaten Wirtschaft zählen) normal.

Als Angestellte im öffentlichen Dienst würde ich mit meiner Ausbildung Anspruch auf BAT II haben, das bedeutet: einen Mehrverdienst von rund 1000 Euro monatlich, eine 38,5-Stunden-Woche, 32 Urlaubstage im Jahr und einen Anspruch auf Weihnachts- und Urlaubsgeld. Zusätzlich zu den Tariferhöhungen, wie sie jetzt verhandelt wurden, stünde mir alle zwei Jahre eine Gehaltserhöhung aufgrund meines fortgeschrittenen Alters zu. Sollte ich heiraten, legt mein Arbeitgeber gleich noch ein paar hundert Euro drauf, egal, wie viel mein Angetrauter auch verdient. Und mit jedem Kind gibt es mehr Brutto (und Netto).

Dass die Angestellten im öffentlichen Dienst weniger verdienen als die Angestellten der Privatwirtschaft, ist ein Märchen, das auch durch gebetsmühlenhaftes Wiederholen nicht wahrer wird.

Dipl.-Ing. Vera Kroog Hamburg