Obwohl es unüblich erscheinen mag, mit 62 Jahren noch von beruflichen Herausforderungen zu träumen - die meisten Menschen denken in dem Alter eher an die Pensionierung und träumen von entspannten Nachmittagen auf der Terrasse oder ausgedehnten Reisen -, richten sich viele meiner Träume auch heute noch auf meine Arbeit. In den vergangenen Jahrzehnten habe ich viel Zeit vor der Kamera verbracht, aber meine Wurzeln liegen im Theater. Ich bin Schauspieler geworden, weil ich auf der Bühne stehen wollte. Aber meine Karriere hat sich durch Zufälle entwickelt, und so fand ich mich irgendwann als Filmschauspieler wieder.

In den letzten Jahren habe ich versucht, meine Zeit ungefähr gleichgewichtig zwischen der Bühne und der Filmarbeit aufzuteilen. Funktioniert hat das nicht - im vergangenen Jahr blieb überhaupt keine Zeit fürs Theater. Deshalb träume ich davon, die Theaterarbeit zu intensivieren.

Es ist lange her, dass ich in London im West End auf der Bühne gestanden habe. Ich lebe in Kalifornien, ich arbeite die meiste Zeit in Nordamerika und habe gelernt, vor der Kamera einen überzeugenden Amerikaner abzugeben. Aber ich bin Brite, und die britische Bühne ist meine Heimat. Ich sehne mich danach, dorthin zurückzukehren. Ich bin wie ausgehungert nach dieser Erfahrung. Vor allem vermisse ich es, vor einem Live-Publikum zu spielen.

Die meisten meiner Traumrollen finden sich in Shakespeare-Stücken. Ich wurde als klassischer Bühnenschauspieler ausgebildet, habe 15 Jahre mit der Royal Shakespeare Company gearbeitet, aber es gibt immer noch einige interessante Rollen, die ich nicht gespielt habe. Und einige davon werde ich wohl auch nie spielen, einfach weil ich zu alt bin. Zum Beispiel wird mich wohl niemand mehr als Romeo oder Hamlet besetzen. Was ich sehr bedaure.

Aber es gibt auch noch Rollen, für die ich im richtigen Alter bin. Oder es zumindest bald sein werde. Macbeth, zum Beispiel. Oder Mark Anton in Cleopatra. Der Jago. Selbst wenn ich mich nur auf Shakespeare-Rollen konzentrieren würde, könnte ich die nächsten Jahre damit füllen. So heißt es zum Beispiel, man solle den König Lear zweimal in seinem Leben spielen.

Einmal, wenn man stark genug dazu ist, Cordelia zu tragen, und einmal, wenn man alt genug ist, ungefähr zu begreifen, wie sich ein 80-Jähriger fühlt.

Auch da steht mein zweites Mal noch aus.