Marie Jahoda: "Ich habe die Welt nicht verändert". Lebenserinnerungen einer Pionierin der Sozialforschung, Beltz, Weinheim/Basel 2002, 206 S., 12,- e.

Denkwürdige Erinnerungen, die jetzt im Taschenbuch vorliegen: Gibt es eine zweite Frau wie Marie Jahoda (1907 bis 2001), die als junge Forscherin schon ein Standardwerk schrieb (Die Arbeitslosen von Marienthal, 1933), die als Sozialistin in politischer Haft saß, dann im englischen Exil erneut Anerkennung als Sozialforscherin fand, schließlich in den USA gar zum dritten Mal? Gibt es noch jemanden außer Marie Jahoda, der so gelassen berichten kann, wie sie den Namen der ersten Liebe ihres Vaters bekam, weil ihre Mutter noch eine Tochter nicht wollte? Jahoda, die zudem selbst Mutter war, sich von ihrer Tochter jahrelang trennen musste. Das Buch vergegenwärtigt die große Frau im Gespräch, in ihren Erinnerungen, im Bild. Sie hätte die Welt nicht verändert?

Günter Altner u. a. (Hrsg.): Jahrbuch Ökologie 2003, Verlag C. H. Beck, München 2002, 288 S., 14,90 e.

Dann ein Jahrbuch, das fast schon kanonisch ist, mit dem ökologischen Stand der Forschung, vorgetragen von den hierzulande einschlägigen Experten. Nach Verständigung klingt zwar das Ungetüm "Nachhaltigkeitskommunikation" nicht, aber dafür bekommen eben auch Rilke und Goethe ganz kurz das Wort. Es steht also alles drin.

Joachim Radkau: Mensch und Natur in der Geschichte. Kursmaterialien Geschichte Sekundarstufe II, Ernst Klett Schulbuchverlag, Leipzig 2002, 200 S., 18, 80 e.

Schließlich ein Schulbuch, das international eine Lücke schließt. Der Bielefelder Historiker Radkau hat hier seine vorzügliche Forschung zur Umwelthistorie in ein keineswegs belehrendes Lehrbuch umgeschmolzen, das die Natur aus den Händen der Biologen in die der Gesellschaft legt: Welche Natur ist schützenswert? Um ihrer selbst willen? Was war die Hygienebewegung, was ist Schwemmkanalisation? Was hat das Auto mit uns Menschen gemacht, und was steuern wir noch? Quellen, Dokumente, Kontroversen, unerschöpflich - natürlich