Alles war bereit für die Traumhochzeit: Die illustren Gäste waren geladen, die Braut wartete startklar auf dem Weltraumbahnhof Kourou. Der Bräutigam schob sich im Tanz mit den Planeten in Position. Doch nach hartem internen Ringen bliesen die Weltraumbehörde Esa und das Unternehmen Arianespace das Rendezvous der Raumsonde Rosetta und des Kometen Wirtanen im letzten Moment ab, weil sie dem Brautfahrzeug, der Pannenrakete Ariane 5, nicht mehr trauten.

Nun trollt sich Wirtanen zurück in die Tiefen des interplanetaren Raums und bleibt wohl für immer unerreichbar für seine Verlobte. Die gescheiterte Brautmutter Esa indes ist fest entschlossen, ihr kostspieliges Kind noch unter die Haube zu bringen, und sieht sich schon nach anderen möglichen Gemahlen um. Ein paar Dutzend davon, die Kometen der Jupiterfamilie, ziehen zwischen Erde und Jupiter ihre Bahnen.

Aber Rosetta ist kapriziös in ihren Vorlieben, und fast jeder der Anwärter hat einen Haken: Mal ist der Kern des Kometen zu groß (dann würde er Rosettas Landemodul zu stark anziehen und beim Aufprall möglicherweise beschädigen), mal ist er zu klein (und damit wissenschaftlich uninteressant). Um Rosetta etwas zu bieten, muss der Komet der Sonne nahe genug kommen, denn nur dann entfacht deren Strahlung genügend Gas- und Staubaktivität auf ihm.

Andererseits darf sich Rosetta der Sonne auch nicht zu sehr nähern, sonst wird es ihr selbst zu heiß (deshalb hat die Esa einen ursprünglich erwogenen Vorbeiflug am Liebesplaneten Venus inzwischen verworfen).

Wirtanen sei schon der ideale Kandidat gewesen, trauert der leitende Projektwissenschaftler Gerhard Schwehm von der Esa dem enteilten Eidam nach.

Das verwundert nicht: Schließlich war Rosetta speziell auf ihren Wunschpartner ausgelegt.

Unter dem Strich bleibt Rosetta höchstens eine Hand voll aussichtsreicher Ersatzziele, darunter der Komet Wild 2. Doch der ist schon vergeben: an die nächstes Jahr startende Nasa-Sonde Stardust.