die zeit: In dieser Woche will der Nationale Ethikrat seine Stellungnahme zur Präimplantationsdiagnostik (PID) vorstellen. Es heißt, um die PID sei heftiger gestritten worden als um andere Themen zuvor. Stimmt das?

Spiros Simitis: Ich werde hier keine Interna preisgeben, aber sobald die Themen aktueller, schwieriger und kontroverser werden, gestaltet sich auch die Diskussion entsprechend. Etwas kann ich sagen: Wir haben die PID sehr, sehr intensiv diskutiert. Und es war eine wirklich offene, aber auch von gegenseitigem Vertrauen geprägte Debatte.

zeit: Was hat sich im Vergleich zum Diskussionsstand vor zwei Jahren denn bewegt?

Simitis: Die Skepsis gegenüber der wissenschaftlichen Entwicklung hat sich verstärkt. Man fragt intensiver nach, will noch genauer wissen, was mögliche Konsequenzen einer Entscheidung sind, und diskutiert präziser als früher, wo die Grenzen gezogen werden müssen.

zeit: Haben Sie selbst im Verlauf der Gespräche Ihre Position überprüfen müssen?

Simitis: Wichtig war für mich die Gelegenheit, mit Betroffenen zu sprechen. So nötig die wissenschaftliche Debatte ist, so wichtig ist das Gespräch etwa mit Müttern behinderter Kinder. Das macht den Diskussionsprozess natürlich nicht einfacher.

zeit: In der Fortpflanzungsmedizin haben wir es immer mit individuellen Schicksalen zu tun. Wie kann ein Regelwerk dem gerecht werden?