Piep, piep, piep, piep, fffthhplagg! So hört er sich an. Oder besser: So tönen seine automatisch schließenden Schiebetüren. Die haben den stärksten Eindruck hinterlassen

ihr Sound, ihr geisterhaftes Gleiten. Unnachahmlich und doch vertraut: Genau so öffnen und schließen sich die Türen beim ICE. Ein Zufall? Wer sich in den Sitzreihen dieses Familientransporters einen freien Platz gesucht, den Klapptisch an der Vorderlehne und die Leselampen ausprobiert hat, wartet unwillkürlich darauf, dass im Mittelgang zwischen den Vordersitzen der Mitropa-Mann auftaucht und ruft: Kaffeeee, frischer Kaffee!

Das ist der Standard heute. Früher krochen wir zu viert mit Mama und Papa im VW-Käfer über die Alpen, heute besteigt die moderne Kleinfamilie den eigenen Großraumwagen. Bis vor ein paar Jahren fuhren stolze Kinderbesitzer meist mit vier bis fünf Meter langen Kombis herum - je nach Milieu mit dem Opel Astra Caravan oder im obligatorischen, natürlich schwarzen Volvo V70. Jetzt muss es schon der private Kleinlaster sein, der geräumiger ist als manches Kinderzimmer. Die Leute kriegen immer weniger Kinder, dafür werden die Familienkutschen immer größer.

Aber braucht man wirklich ein 30 000-Euro-Gefährt, um seinen Nachwuchs zum Fußball oder zum Tischtennis zu karren? Muss man 13 Liter Sprit pro 100 Kilometer verbrennen, um die Kleinen durch den Stadtverkehr zu bugsieren?

Pech für den katzenäugigen Testwagen, dass ihn das ausgerechnet eine Familie fragt, die entgegen allen vor- und nachgeburtlichen Fragen von Freunden und Verwandten - Wollt ihr euch jetzt nicht doch ein Auto kaufen? - noch immer auf die eigene Blechkiste verzichtet. Eine jener Familien, die beharrlich auf Kosten und Nutzen schaut und mit ihrer Konsumverweigerung die Konjunktur kaputtspart. Nur alle paar Wochen dürfen sich die Kinder mal in einen Mietwagen oder ein Taxi fläzen (weswegen Michaels zweites Wort auch nicht Auto lautete, sondern Taxi), hin und wieder vielleicht in ein Stattauto von der Car-Sharing-Station, eines der billigen Minimini-Klasse.

Immerhin: Unser erster Eindruck von diesem edlen Peugeot 807, Version Tendance 160 (2,2 l Benzinmotor), war schon gut, und die Kinder waren sowieso begeistert: So viel Platz, so viele Knöpfe, sogar ein Eisfach für Limodosen (Pech nur, dass sie so was nie kriegen). Jeder wollte mal die Fernbedienung für die Schiebetüren ausprobieren - zwei Knöpfe auf der Funk-Türverriegelung, die ebenso groß und auch ähnlich geformt ist wie ein Hühnerei der Gewichtsklasse A (große Autos brauchen eben auch dicke Schlüssel). Katharina, 3 Jahre, sprach fortan nur noch vom Schiebeauto, mit dem sie am liebsten täglich zu ihrem 600 Meter entfernten Kindergarten chauffiert werden wollte.

Bei der ersten Fahrt über die Autobahn bewährt sich der Tendance auch aus väterlicher Sicht: Das rund 1,7 Tonnen schwere Vehikel beschleunigt ordentlich, wenn auch nicht gerade leichtfüßig, und fährt bei 180 Stundenkilometern so stabil wie auf Schienen. Von Fahrgeräuschen ist nicht viel zu hören, das lauteste im Wageninnern ist - nein, nicht das Ticken der Uhr, sondern der Refrain von Ritter Rost auf der Kinder-CD: Mein Vater hat mich hergestellt, aus dem schönsten Schrott der Welt. Wer seinen Nachwuchs übrigens komplett ruhig stellen will, der kann sich gegen Aufpreis (1950 Euro) auch einen ausklappbaren Flachbildschirm unter den Dachhimmel hängen lassen, drahtlose Kopfhörer inklusive (im ICE meist in Wagen 3 und 11).