Auf drei Tage gestrafft wurden die Stuttgarter Antiquariatsmesse und die parallel dazu laufende 17. Antiquaria im nahe gelegenen Ludwigsburg in diesem Jahr. Dazu leistet sich Stuttgart mit inzwischen 95 Teilnehmern aus dem In- und Ausland auch das überfällige optische Facelifting - illuminierte Handschriften, Inkunabeln, wertvolle Bücher, literarische Erstausgaben des 20. Jahrhunderts, Autografen und Grafiken endlich als ästhetisch ansprechende Ausstellungslandschaft gestaltet.

Blättert man durch die Kataloge der beiden Veranstaltungen, ist man schon unterwegs auf der Reise nach Ägypten, Flandern, in die Türkei, Russland und Japan. So kann man in dem nachgelassenen Fotoalbum des Hauptmanns Walter Friderici dem Boxeraufstand in China um 1900 nachgehen, zu dem zahlreiche Objekte wie Uniformspangen, Auszeichnungen in Form von Münzen und Orden bis hin zum Granatsplitter gehören (Brockhaus Antiquarium, 3400 Euro). Ganz auf Atlanten, Geografie und Karten spezialisiert ist Siegfried Brumme aus Mainz.

Er hat einen Grand Atlas Universel von Adrien Hubert Brué mit 41 Karten aller fünf Erdteile von 1815 anzubieten (12 000 Euro). Bei Monika Schmidt, München, findet sich die erste gedruckte Karte der Schweiz, die unter Martin Waldseemüllers Leitung als Holzschnitt angefertigt und 1513 in Straßburg auf Papier gebracht wurde (5100 Euro). Ostasiatische Blätter offeriert Hans-Martin Schmitz aus Wuppertal, die man schon von 95 Euro an erwerben kann, darunter ein Farbholzschnitt von 1926 mit winterlicher Tempelansicht von Kawase Hasui (900 Euro).

Im Venedig des 18. Jahrhunderts entstand das charmante vierbändige Tierbuch Descrizione degli Animali quadrupedi unter den Händen der Kupferstecher Innocente Alessandri und Pietro Scattaglia, das der Zürcher Händler Adrian Flühmann als schönstes seiner Art rühmt (40 000 Euro). In ganz anderen preislichen Regionen bewegen sich die Angebote bei Heribert Tenschert aus Rotthalmünster, Jörn Günther aus Hamburg oder Lame Duck Books aus Boston. Das teuerste Objekt der Messe hält Tenschert mit 1,75 Millionen Euro bereit, das einzige noch in Privathand befindliche Exemplar der Biblia Pauperum. Die Blockbuchausgabe, von der überhaupt nur drei komplette Exemplare bekannt sind, wurde um 1464/65 von niederländischen Holzstöcken im Süddeutschen gedruckt.

Ein weiteres Luxusgut der Verbreitung des Glaubens ist bei Jörn Günther aus Hamburg zu finden, eine illuminierte Passionsgeschichte auf Pergament, aufgezeichnet von dem Franziskanertheologen und Trierer Weihbischof Johannes von Zazenhausen, datiert 1464. Das Traktat mit Zierinitialen und 21 Miniaturen in Deckfarben mit Gold im Kalbsledereinband über Holz kostet 635 000 Euro. In der oberen Preisskala liegt bei Lame Duck Books das vierseitige handschriftliche Manuskript La Loteria en Babilonia von Jorge Luis Borges aus dem Jahr 1942 (225 000 Euro) oder das Originalmanuskript Die Reise mit der Zeitmaschine von Egon Friedell in der Versandtasche des Zsolnay-Verlags Berlin, der ihm 1935/36 die fantastische Novelle zur Veröffentlichung als abgelehnt zurückschickte. Angeboten wird die 1946 nach Friedells Freitod im Piper Verlag, München, erschienene handschriftliche Bleistiftfassung bei Peter Kiefer, Pforzheim (56 000 Euro).

Es gibt kaum ein Spezialgebiet, das die Stuttgarter Antiquariatsmesse nicht abdeckt. Die Liebhaber feiner Grafik werden die Stände von C. G. Boerner, August Laube oder Helmut Rumbler ansteuern. Blätter des Expressionismus finden sich bei der Galerie Vömel aus Düsseldorf. Autografen, diesmal vornehmlich von Hans Henny Jahnn, hält J. A. Stargardt bereit. Bewunderer der Technik können sich bei Ludwig Schiller an der 108seitige Prachtausgabe Die Badische Schwarzwaldbahn von 1886 ergötzen (380 Euro).

Auch wenn Gebote schriftlich und telefonisch entgegengenommen werden, so werden sie erst am zweiten Tag der Messe berücksichtigt - Präsenz vor Ort ist also bei Interesse Pflicht (31. Januar. bis 2. Februar, www.stuttgarter.antiquariatsmesse.de oder www.antiquare.de). Ein kurzer Ausflug mit der S-Bahn im Zehnminutentakt nach Ludwigsburg zur 17. Antiquaria in der Musikhalle Ludwigsburg gehört bereits zur Tradition. 52 Aussteller aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, den Niederlanden und den USA bieten dort Bücher aus sechs Jahrhunderten an - von der 195 Bände umfassenden Oeconomisch-technologischen Encyclopedie (1775 bis 1798) bis zum Passierschein zu den kaiserlichen Palästen in Kyoto aus dem Jahr 1914 (Bernard Richter, Baden-Baden, 300 Euro).