Seine Auftritte auf dem Spielfeld sind häufig spektakulär. Hat er den Ball, führt er ihn so gekonnt durchs Gedränge, als sei die Lederkugel auf ihn abgerichtet und nicht umgekehrt. Schlägt er einen Pass, kann man darauf wetten, dass er dem Mitspieler genau in den Lauf fällt. Er blockiert, verwirrt und täuscht seine Gegenspieler so geschickt, dass die manchmal nicht anders können, als ihn vorsichtshalber umzuhauen. Die Fans sind verzückt von seiner Kunst, und trifft er dann auch noch ins Tor, kann es passieren, dass Tomás Rosickì, 22, danach über den Rasen tobt, als sei er fünf. Er springt dann dem großen Jan Koller auf den Rücken und lässt sich von ihm übers Feld tragen wie ein Kind. Die Zeitungsredakteure macht er ganz poetisch: Mozart des Fußballs, der stille Künstler oder das Kronjuwel von Dortmund nennen sie ihn. Doch je mehr der Junge aus Prag geliebt wird, desto mehr verweigert er sich.

Ein Interview mit Tomás Rosickì zu bekommen ist schwer. Zu groß die Furcht seines Managers, man könnte ihm ein Image verpassen, an dem er bei ausbleibendem Erfolg gemessen wird. Tomás redet nicht gern über sich und schon gar nicht mehr über sein Privatleben, bügelt sein Manager Pavel Paska, 53, eine erste Interviewanfrage ab. Weil er noch nicht gut genug Deutsch spricht? Nein, weil ich Journalisten misstraue und ihn schützen muss.

Vor Rosickì steht eine Abwehrmauer aus drei Männern Wie eine Abwehrmauer vor Rosickì stehen drei Männer: sein Manager, der ihn als Heranwachsenden entdeckte und dessen damaliger Masterplan aufzugehen scheint. Rosickìs Vater Jirø, der früher selbst Tore für Prager Fußballklubs schoss, über die manche in der Stadt noch heute reden. Und dann ist da noch der Dortmunder Coach Matthias Sammer, grundsätzlich wortkarg in der Öffentlichkeit, der sich über seinen Liebling nur per Fax äußern will.

Vor Rosickì hat Paska also das erste Wort. Er residiert im Prager Stadtteil Vinohrady in einer alten Villa, die mit Ledergarnituren und schweren Holzmöbeln eingerichtet ist. Terrassentüren führen in einen großen Garten, durch dessen Hecken nur schwach der Verkehrlärm der Stadt dringt. Paska, der bei der internationalen Sportrechte-Agentur IMG angestellt ist, hat den tschechischen Fußball fest im Griff. Acht Stammspieler der tschechischen Nationalelf arbeiten bei großen ausländischen Klubs - und fast alle hat Paska vermittelt, ein braun gebrannter Porsche-Fahrer, ausgestattet mit dem Titel Vice President of the European Football-Division. Der Mann, der früher bei Grundig in Fürth als Elektrotechniker arbeitete und selbst eine Trainerlizenz hat, kann es sich leisten, über Fußballer zu reden, wie es ihm gefällt. Nur auf Tomás Rosickì lässt er nichts kommen. Ihn nahm er unter Vertrag, als er 15 war, damit dieser nichts falsch mache. Um dabei auch genügend Geld zu verdienen, holte er später dann Nike an Bord.

Rosickì, der von sich sagt, er habe eine eher zerbrechliche Statur, ist eines der größten Fußballtalente Europas. Er war vor zwei Jahren nicht nur der bis dahin teuerste Spielereinkauf der Bundesliga-Geschichte, sondern gilt auch als fette Beute für die Jäger im Dienste anderer Fußballvereine. 16 Millionen Euro bezahlte Borussia Dortmund 1999. Seitdem hat sich sein Wert etwa umgekehrt zum Dax entwickelt: Inter Mailand bot im vergangenen Sommer 50 Millionen Euro, und jüngst meldete sich der FC Barcelona und wollte mehr als 65 Millionen Euro für ihn bezahlen. Ziemlich verrückte Summen für einen Jungen, der im kleinbürgerlichen Prager Stadtteil Prosek zur Welt kam und für den es eine Zeit lang nicht so aussah, als käme er überhaupt jemals über die tschechische Grenze.

Dass es doch noch zu diesem Interview kommt, sei dem Spieler selbst zu verdanken, sagt Paska später am Telefon, Rosickì habe zugestimmt, weil der Autor ein wenig Tschechisch verstehe. Dabei kann er mittlerweile ganz gut Deutsch. Spricht Rosickì über sich, wirkt er dabei bedächtig und schüchtern.

Er rennt jedenfalls schneller, als er redet. Sein Deutsch ist flüssig, wenn er über Fußball spricht, und holprig, wenn es um Persönliches geht. Und wenn er nicht mehr weiterweiß, sieht er beinahe flehend den Reporter an, der vorsichtshalber das Wörterbuch Cesko-Nflmeckì-Slovnøk mitgenommen hat.