Ein Holzpenis auf dem Tisch, an dem der Schüler das Präservativüberziehen üben soll? Womöglich noch auf dem Pult, an dem die Lehrerin es vormacht? Ein Film übers Selbstentjungfern? Und Mädchen und Jungen zwischen 10 und 14 Jahren sehen sich das gemeinsam an?

Nicht nur "viele Jugendliche aus Migrantenfamilien" sind von einem solchen "Aufklärungsunterricht" überfordert, sondern die anderen auch! Ich habe Sexualkunde unterrichtet und finde den Unterricht, den Sie in Beispielen beschreiben, absolut unerträglich.

Ich habe immer mit den Mädchen allein gesprochen, wenn es um intime Dinge ging wie Jungfernhäutchen oder Busen. Die Mädchen schämen sich, vor Jungen darüber zu sprechen. Wenn wir LehrerInnen das trotzdem tun (und noch Noten!

dafür geben), gehen wir respektlos über die Gefühle der Mädchen hinweg.

(Jungen und Mädchen habe ich unbedingt zusammen unterrichtet bei Themen wie: Erwartungen aneinander, Männer- und Frauenrollen, Liebe, Zärtlichkeit und alles "Biologische".) Die Jungen schämen sich übrigens ebenfalls, über Penisgröße oder Samenerguss eine Lehrerin zu fragen. Und sie haben ja Recht: Was weiß sie denn davon, wie sich das anfühlt! Dass etwas nicht stimmt, wenn man derart unsensibel unterrichtet, merkt man sofort an der Atmosphäre: Es wird nur noch gekichert, die Luft wird immer klebriger, sexistische Sprüche nehmen zu.

Wer auch nur die geringste Ahnung hat von Entwicklungspsychologie, weiß, dass Jungen und Mädchen im 5./6. Schuljahr Abstand voneinander nehmen, je größer, desto besser. Ob man das gut findet oder verklemmt, natürlich oder gesellschaftlich verbildet: Es ist so. Anscheinend auch in den verschiedensten Kulturen der Welt.

Es gibt natürlich kulturelle Probleme zwischen Eingeborenen und Migranten.