PolitikerZwischenstopp eines Überfliegers

Cem Özdemir war schon immer schnell: Mit 15 bei den Grünen, mit 32 innenpolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion, mit 36 Rücktritt von Amt und Mandat. Jetzt zieht er Bilanz – und denkt über einen Neustart nach von 

Es gab Zeiten, da hätte vor der Tür des kleinen türkischen Restaurants in Berlin-Mitte eine gepanzerte Limousine des Bundeskriminalamtes gewartet. Am Nebentisch hätten zwei sprungbereite Herren mit Knopf im Ohr vor ihren Wassergläsern gesessen. Es gab Zeiten, da wäre vielleicht keine Zeit für ein fast dreistündiges Treffen gewesen. Oder er wäre eine halbe Stunde zu spät gekommen.

Diese Zeiten sind seit mehr als sechs Monaten vorbei. Cem Özdemir, 37, sitzt an einem Tisch neben der Eingangstür. Er isst ein vegetarisches Gericht mit Jogurt, und der dickere Herr, der am Tisch nebenan Bier trinkt, hat sicher keinen Knopf im Ohr. Özdemir trägt jetzt kein Sakko, keine Krawatte mehr, und er wirkt entspannter als an jenem 26. Juli.

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Damals war Cem Özdemir bleich und übernächtigt. Es war der Tag, an dem der grüne Bundestagsabgeordnete, deutschtürkische Vorzeigepolitiker und einer der Profiliertesten aus der Generation der Gastarbeiterkinder vor die Bundespressekonferenz trat, um zu gestehen, er könne den Vorwurf, dienstlich erworbene Bonusmeilen für Privatflüge verwendet zu haben, nicht entkräften. Und um zu erklären, er habe mit sofortiger Wirkung seine Funktion als innenpolitischer Sprecher der Grünen niedergelegt und werde auch dem nächsten deutschen Bundestag nicht mehr angehören.

Cem Özdemir wirkte, als sei ihm gar nicht bewusst, dass er da mit ein paar lapidaren Sätzen seine politische Karriere fürs Erste beendete. Eine Ausnahmekarriere: Sohn türkischer Einwanderer, mit 15 Jahren Eintritt bei den Grünen, Annahme der deutschen Staatsbürgerschaft, mit 23 im grünen Landesvorstand, mit 28 Bundestagsabgeordneter. Cem Özdemir, Etikett "anatolischer Schwabe", der je nach Lage zwischen Türkisch, Schwäbisch und Schriftdeutsch mit schwäbischer Färbung wechseln kann, den Otto Schily seinen Freund und ein Musterbeispiel gelungener Integration nannte. Einer, den andere Parteien mit Kusshand genommen hätten, den viele schon als Staatssekretär sahen. Der von den Medien gehätschelt wurde. Bis zu dieser Woche im Juli 2002.

Özdemir bestellt sich auf Türkisch ein Wasser.

Es war richtig zurückzutreten, sagt er. Viele hätten es anders gesehen. Freunde, Bekannte, fast alle hätten gesagt, das sei doch zu früh gewesen, da hätte man doch noch was machen können. So was, sagten ein paar sogar, sitze man doch aus.

Journalisten sagten, dass sie seinen Rücktritt bedauerten

Monate später, am Tag der Bundestagswahl, kreuzten in seinem Ludwigsburger Wahlkreis 5,1 Prozent seinen Namen an. Obwohl die Grünen vom Kreisverband ihn das letzte Mal im Juli gesehen hatten, als er den Wahlstand auf dem Ludwigsburger Marktplatz fluchtartig verließ, per Handy darüber informiert, dass sein Kredit bei dem PR-Berater und Rüstungslobbyisten Moritz Hunzinger ins Gerede gekommen war. Und obwohl er den Ludwigsburgern ausrichten ließ, sie sollten ihre Stimmen nicht ihm, sondern dem SPD-Kandidaten geben.

Trotzdem, sie wählten ihn in den Bundestag. Auf der Bank im türkischen Restaurant sitzt ein Wahlsieger. Natürlich, er nahm die Wahl nicht an. Und bekam liebevoll-empörte Briefe, in denen Leute schrieben, sie würden, bitte schön, gern selbst entscheiden, wen sie wählten.

Er erzählt es mit einem Lächeln.

Das tut Ihnen gut?

Ja, sagt er. Das ist besser, als wenn man geht und alle denken: Endlich sind wir ihn los. Vor allem die Journalisten kamen bei mir vorbei: Wir wollten doch nicht deinen Rücktritt.

Die Journalisten.

Herr Özdemir, wenn es keiner wollte, warum sind Sie denn zurückgetreten?

Man darf nicht vergessen, sagt er, es war die Zeit, als Verteidigungsminister Rudolf Scharping wegen seiner finanziellen Beziehungen zu Hunzinger gehen musste, als SPD und Grüne bei den Umfragen nicht besonders rosig dastanden. Und dann erscheinen schlechte Schlagzeilen über mich.

Özdemir beugt sich vor. Denken Sie nur, sagt er, Rot-Grün hätte die Wahl knapp verloren, und Sie würden mich jetzt fragen: Wie fühlen Sie sich als jemand, der wahrscheinlich dazu beigetragen hat?

Seine Stimme wird heftig. Ob Sie es glauben oder nicht, das war für mich der entscheidende Grund.

Und dann erzählt er, wie das mit den Journalis-ten war. Wie man den Landesvorsitzenden der Grünen in Baden-Württemberg gefragt habe, ob er, Özdemir, in Waffengeschäfte mit der Türkei verwickelt sei. Wie der stern per Fax bei ihm angefragt habe, ob er eine Farm in Südafrika besäße. Absurd.

Er habe nie Politikberatung, Coaching, gehabt, sagt Özdemir, da hätte man ihm für so einen Fall geraten: Mund halten, abtauchen. Aber in dieser einen Woche habe er den unsinnigen Versuch unternommen zu erklären. Doch niemand habe Erklärungen hören wollen.

Braucht einer, der acht Jahre im Bundestag saß, noch Coaching?

Cem Özdmir hat schon über die Presse geklagt, als er in Ludwigsburg nach der Wahl seine grünen Parteifreunde besuchte und auch bei Kerner im ZDF. Jetzt kommen ähnliche Sätze. Wie seine Mutter und Freunde ständig angerufen worden seien, die gingen heute noch nicht wieder normal ans Telefon, wie man seine Mitarbeiter belagert habe, wie man ihn mit Roland Koch und Rudolf Scharping in einem Atemzug genannt habe.

Fühlten Sie sich damals schuldig, Herr Özdemir?

Ich fühlte mich insofern schuldig, als ich zwei völlige Dummheiten gemacht habe, für die es keine Entschuldigung gibt, ohne Sinn und Verstand. Ich habe diese beiden Dinge gemacht. Aber das war es dann auch.

Die beiden Dummheiten. Der Kredit über 80000 Mark im Januar 1999 bei Moritz Hunzinger zu günstigen 5,5 Prozent Zinsen, vermittelt über einen Bekannten, der bei Hunzinger arbeitete. Nachlässigkeit sei das gewesen, sagt Özdemir, er habe sich nicht besonders um Geld gekümmert und auf einmal welches gebraucht, und da sei jemand gewesen, der gesagt habe, klar, das könne er machen. Über Hunzinger habe er nur gewusst, dass er in der PR-Branche sei, die ganzen Geschichten mit ihm, das sei alles erst später gewesen.

Das Hamburger Institut für Finanzdienstleistungen schätzt die Summe, die Cem Özdemir dadurch sparte, dass er den Kredit nicht auf der Bank aufnahm, auf 3424 Mark.

1750 Euro. Setzt man dafür seine politische Karriere aufs Spiel?

Özdemir spendete 5200 Euro als Wiedergutmachung an das Zentrum für Folteropfer in Berlin. Die Affäre schien schon ausgestanden.

Und dann lag im Faxgerät in seinem Büro ein neues Schreiben. Bild am Sonntag hatte herausgefunden, dass er dienstlich erworbene Lufthansa-Bonusmeilen für private Flüge verwendet hatte, entgegen der Selbstverpflichtung der Volksvertreter, beruflich erflogene Meilen wieder dem Bundestag zur Verfügung zu stellen.

Er habe den Überblick über sein Meilenkonto verloren, sagt Özdemir.

Das ging mehreren so. Würde man die Flüge aller Volksvertreter durchleuchten, sagte ein Parlamentarier im Juli, wäre jeder Zweite dran. Der damalige Grünen-Fraktionsvorsitzende Rezzo Schlauch, den man vor Özdemirs Rücktritt seinen politischen Ziehvater nannte, war im Frühjahr mit beruflichen Bonusmeilen in den Urlaub nach Thailand geflogen. Als die Sache zur Sprache kam, überwies er die Kosten für das Ticket an den Bundestag und betrachtete den Fall als erledigt.

Und ich habe jeden Flug zurückbezahlt, jeden, sagt Özdemir. Ohne auch nur einen Pfennig in Rechnung zu nehmen für die privat erworbenen Meilen. Ich habe dem deutschen Bundestag, dem Steuerzahler, mehrere 1000 Euro geschenkt.

Özdemir nimmt einen großen Schluck Wasser.

Er habe sich damals vorgestellt, wie es weitergehen werde nach dieser Woche im Juli. Er hätte sich eine Weile zurückziehen können. Und dann wäre er wieder auf Veranstaltungen gegangen, es war ja Wahlkampf, und hätte sich immer gefragt: Wann kommt sie, die Frage? Und ab da hätte sich die ganze Diskussion wieder nur um Meilen gedreht. Es gibt Politiker, sagt er, die haben jemandem im Publikum sitzen, der in einem solchen Fall eine andere Frage stellt, um abzulenken.

Aber, fragt Cem Özdemir, wollen Sie so Politik machen? Ich hatte Angst, jede Art von Glaubwürdigkeit zu verlieren, Angst, dass nach acht Jahren von Cem Özdemir im Bundestag nur übrig bleibt: der Meilenflieger.

Jetzt kann man interpretieren, sagt Özdemir, ob ich ungeeignet bin, so etwas durchzustehen, vielleicht war ich auch nicht zynisch genug. Aber ich bin nicht der Typ, der sich einigelt, kein Fernsehen und nicht in die Zeitung schaut, und dann wiederkommt und so tut, als sei nichts gewesen.

Was die Frage aufwirft, ob man doch so ein Typ sein muss.

Muss man so sein?, ruft Özdemir. Will man, dass Politiker so sind?

Özdemir redet jetzt leise und schnell.

Als ich bei den Grünen angefangen habe, Politik zu machen, war einer meiner Vorsätze, dass ich anders sein möchte als die politische Klasse, die ich damals angetroffen habe. Dass ich den Punkt nicht verpassen möchte, an dem es Zeit ist zu gehen. Dass ich nicht von anderen aufgefordert werden möchte zu gehen. Mich hat niemand aufgefordert zu gehen.

Es hat Ihnen niemand in Ihrer Fraktion nahe gelegt?

Es gab keine Aufforderung zu gehen. Das war meine Entscheidung. Ich hatte mich erinnert: Wie war das damals? Du hast dir vorgenommen, nicht erst zu gehen, wenn überall steht: Wann geht er jetzt endlich?

Das hört sich fast zu schön an. Es klingt nach einem weiteren Sieg. Für einen Politiker, der an seine Ideale glaubt. Wo einer für sich Moral reklamiert, ist Vorsicht angebracht.

Wer aus einem politischen Amt zurückgetreten ist, als ihn noch niemand dazu drängte, und dafür gute moralische Gründe angibt, wird es doch leicht haben, nach einiger Zeit ziemlich unbescholten auf die Bühne der Politik zurückzukehren.

Nein, beharrt Özdemir, daran habe ich nicht gedacht, nicht in der Nacht vor dem Rücktritt.

Doch, Moral spielt im Fall Özdemir eine wichtige Rolle.

Bei den Grünen versuchte niemand ernsthaft, ihn von seinem Rücktritt abzubringen. Die Parteiführung konnte mit seinem schnellen Abschied hehre Wertmaßstäbe beweisen. Grüne, verlautbarte Parteichef Fritz Kuhn, übernähmen Verantwortung, wenn es darauf ankomme.

Er wollte erreichen, was den Eltern versagt geblieben war

Die moralischen Ansprüche der Grünen, die sich von denen der übrigen Parteien unterscheiden, sagt Özdemir heute, sind gerade einer der Gründe, warum ich als Jugendlicher dort eingetreten bin.

In Bad Urach, 12000 Einwohner, Kurort auf der Schwäbischen Alb, hatte seine Mutter, die als junge Lehrerin nach Deutschland gekommen war, eine Änderungsschneiderei, sein Vater ging in die Fabrik. Wegen seiner türkischen Abstammung war Özdemir ein Außenseiter im Ort. Er wollte dazugehören. Und er wollte erreichen, was seinen Elten versagt geblieben war. Er strengte sich an. Kam auf die Realschule, war ein Musterschüler, wurde Schülersprecher, nahm den zweiten Bildungsweg, studierte Sozialpädagogik.

Bei den Grünen fand er sein Thema in der eigenen Biografie. Migranten in Deutschland, die Migranten, die sich weder von der Gesellschaft isolieren wollen, noch wollen, dass jemand sie zur Anpassung zwingt. Die Bindestrich-Identität nennt das Özdemir. Er habe immer gewusst, es gebe ganz viele in dieser Gesellschaft, die so seien wie er, die aber nicht wahrgenommen würden, denn für die Medien seien die Krawallmacher viel interessanter.

Irgendwann ging es mehr um Privates als um Politik

Der höfliche junge Mann türkischer Abstammung, der mit seinem Schwäbischsein kokettierte, lieber Anzüge als Turnschuhe trug, sich so gut in zwei Kulturen bewegen konnte, wusste, dass er auch interessant werden konnte.

Özdemir machte Karriere, mit Fleiß und Perfektionismus. Er feilte an seiner Gestik und seiner Rhetorik. Er nahm jede noch so kleine Veranstaltung wahr, er wollte niemanden enttäuschen.

Er habe immer das Gefühl gehabt, er müsse besser sein, als jemand, der als Deutscher geboren sei.

Als er in den Bundestag kam, war er immer noch ein Musterschüler. Jemand, der sich gut auf andere Menschen einstellen konnte, der einen freundlichen Umgang mit Politikern auch anderer Parteien pflegte, statt aus Prinzip den Konflikt zu suchen. Es gab einige bei den Grünen, denen Cem Özdemir zu wendig schien, denen er einen zu guten Kontakt zu den Spitzenpolitikern pflegte, denen er zu oft im Fernsehen war.

Irgendwann, sagt Özdemir, habe ich angefangen, Fehler zu machen.

Er ist mit einem Journalisten in Kreuzberg einkaufen gegangen, und herauskam ein Artikel, in dem ein Deutscher einen Türken beurteilte, wie er gerade noch ein Türke ist. Er hat einer Journalistin gezeigt, wo die linke Szene in Istanbul hingeht, und später hat man ihm nachgesagt, er tanze sich dort bis früh um vier durch die Discos.

Um Politik ging es dabei kaum noch.

Ich habe eine Grenze überschritten, die ein Politiker nicht überschreiten darf, sagt er. Einer mit meinem Hintergrund als Migrant erst recht nicht.

Sie haben angefangen, die Bodenhaftung zu verlieren?

Es liegt nahe, das zu schreiben. Ich würde es abstreiten.

Eines Tages stand in der Männerzeitschrift Men’s Health, Cem Özdemir sei der bestangezogene Politiker. Ab da wurde er in Talkshows und bei Interviews nicht nur auf die doppelte Staatsbürgerschaft, sondern auch auf Mode angesprochen. Und die Modefirma Strellson fragte an, ob er nicht für ein Werbeplakat posieren wolle. Gegen die Firma Strellson ist nichts zu sagen, die Stoffe für die Anzüge stammen aus ökologischem Anbau, und es gibt keine Kinderarbeit. Und das Honorar spendete Özdemir natürlich, aber es war doch praktisch, so viele Menschen guckten auf ein Modeplakat und sahen sein Gesicht.

Der Dressman Özdemir.

Irgendwann haben diese Dinge in der Öffentlichkeit angefangen, die politischen Themen zu überlagern, sagt Özdemir.

Es gab nicht nur den Dressman. Da war der Fußballer Özdemir, der mit der Grünen-Kickermannschaft Grüne Tulpe zu Benefizspielen in ganz Deutschland reiste, obwohl Fußball nicht sein Ding war. Der Koch Özdemir, der Lieblingsrezepte in Zeitschriften veröffentlichte, obwohl er kaum kochen konnte. Es habe sich quasi verselbstständigt, weil irgendwann geschrieben worden sei, er, Özdemir, sei ein Fußballspieler und ein Koch.

Ich habe mich nicht dagegen gewehrt, das stimmt, sagt Özdemir. Ich habe das alles mit mir machen lassen. Ich habe irgendwann die Kontrolle darüber verloren.

Er erzählt nicht, dass er sich für eine Aktion der Tierschutzorganisation Peta als Grillkotelett verkleidete, für die Titelseite einer Zeitschrift zusammen mit Naddel fotografieren ließ. Dass auf seiner Internet-Seite Fotos von ihm in Badehose zu haben waren und eine CD Romeo und Julia auf schwäbisch – gesprochen von Cem Özdemir.

Er sei ein Popstar, sagte 1999 eine Kollegin aus der Politik über ihn. Im Nachhinein scheint es so, als passte der Politiker Cem Özdemir eine Zeit lang ganz gut in die schillernde, vom Absturz bedrohte Welt der New Economy, in der es oft mehr auf den guten Auftritt ankam als auf Selbstorganisation, Personalführung oder darauf, den Überblick zu behalten. Über Finanzen, Freundschaften. Oder auf den Unterschied, den es macht, ob man jemanden, der viele Freunde hat und damit sein Geld verdient, einfach nur kennt. Oder darauf, ob man von ihm einen Kredit annimmt.

Özdemir bestellt türkischen Tee, der in einem kleinen Glas mit Goldrand kommt.

Nach meinem Rücktritt, sagt er leise, waren die Dinge, die vorher von den Medien hoch gelobt worden waren, auf einmal die Negativgeschichten.

Und bei vielen Journalisten habe die Beißhemmung ausgesetzt.

Ein Mitarbeiter von ihm sei angerufen worden: Jetzt verraten Sie, was er für Kleider trägt, von Gucci oder von wem? Designersachen, was?, sagt Özdemir mit großen Augen. Er kaufe seine Klamotten in einem Fabrikabverkauf hier um die Ecke. In einer Glosse habe jemand gefragt: Was macht der Özdemir jetzt? Will er Kebab verkaufen?

Warum geht man auf die Ethnie, fragt Özdemir, warum stellt man meine ethnische Herkunft in den Vordergrund?

Und er sagt, dass er irgendwann geglaubt habe, was er immer erzählt habe, dass wir alle gleich sind ohne Unterschiede. Aber das sei nicht so, mit Sicherheit nicht, es werde noch einige Zeit brauchen, bis man in Deutschland im Umgang mit Einwanderern ein Niveau erreiche, wie etwa in den USA.

Dort will sich Cem Özdemir ab Februar fünf Monate lang für den German Marshall Fund mit Immigration, transatlantischen Beziehungen und Außenpolitik beschäftigen. Ein längerer Auslandsaufenthalt, das sei schon immer sein Wunschtraum gewesen, sagt er, aber nie habe er dafür die Zeit gehabt.

Plötzlich wirkt Özdemir wie ein Student.

Sein Übergangsgeld als Ex-MdB läuft noch bis Juni. Was er dann machen werde? Politik habe er ausgeschlossen, nicht für immer, nur fürs Erste. Es werde auch nichts im PR-Bereich sein, sagt er lächelnd. Schreiben könnte ihm gefallen, und Vereine hätten ihm wahlweise Vorstand oder Geschäftsführerschaft angeboten.

Und dann vielleicht ein Job in der Außen- oder in der Europapolitik?

Özdemir sagt nichts. Er lächelt.

Und zum Fototermin kommt er eine Viertelstunde zu spät.

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