Himbeereis zum Frühstück? Gibt’s noch nicht, aber ein blühendes Hors d’Œuvre zum Lunch: Thomas Cook Airlines schenkt jedem Gast der Comfort Class eine rote Rose. Während Roberto Blanco im hauseigenen Werbefilm noch jauchzt: "Ein bisschen Spaß muss sein", fragt Katja Moosbacher, was die maximal zwei Dutzend Passagiere auf den besseren Plätzen zu trinken wünschen. "Möchten Sie Ihren Prosecco pur oder mit Pfirsichlikör?"

In den Genuss solcher Aufmerksamkeiten kommen Reisende an Bord von Urlaubsfliegern immer öfter. Lange Zeit war die Luxusnummer für Fernreiseziele reserviert: 1991 startete die neuerdings unter dem Thomas-Cook-Logo abhebende Condor als erste Ferienfluggesellschaft mit einer Comfort Class, LTU ließ sich inspirieren und kam 1998 mit ihrer First Comfort auf den Markt. Nun aber richten die Airlines zunehmend auch auf kürzeren Strecken die Nobelklasse mit erhöhtem Sitzkomfort, mehrgängigem Menü und erweitertem Unterhaltungsprogramm ein. Thomas Cook bietet sie zum Mehrpreis von 280 Euro für den Flug nach Fuerteventura, Gran Canaria sowie Teneriffa und steuert mit Jerez de la Frontera im Sommer erstmals auch das spanische Festland mit zwei Sitzplatzklassen an.

LTU will das übertrumpfen und plant ab Sommer 2004 eine European Comfort Class – so der vorläufige Name – für noch mehr Mittelstreckenziele: die Kanaren, die spanische Küste und die Balearen. "Dieses Produkt ist zwar nicht vergleichbar mit unserer First Comfort auf der Fernstrecke", sagt Pressesprecher Marco Dadomo, "wir garantieren aber größere Beinfreiheit als in der Touristenklasse." Hauptverkaufsargument sei schließlich die Bequemlichkeit.

Die Ausrichtung der Ferienflieger auf mehr Luxus fällt ausgerechnet in eine Zeit, in der die Deutsche Lufthansa bescheidener abhebt: Unlängst wurde auf der Strecke nach Boston die First Class abgeschafft, im Februar folgt Philadelphia. Auch auf weiteren Strecken über den Nordatlantik, in den Nahen Osten und nach Afrika wird demnächst die Erste Klasse verschwinden. "Mangels Nachfrage für bestimmte, eher touristisch ausgerichtete Ziele", sagt Lufthansa-Sprecher Bernd Hoffmann. Das aber ist erst der Anfang. "Wir haben die Entscheidung schon länger getroffen und im neuen Airbus A 340-600, der zum Jahresende ausgeliefert wird, das Konzept mit nur zwei Klassen von vornherein berücksichtigt."

Dass ehemalige Kunden der wesentlich teureren und komfortableren First Class immer häufiger in die Komfortklassen der Ferienflieger mit ihrem vergleichsweise kleinen Kontingent an besseren Plätzen umsteigen, ist nicht ausgeschlossen. Bereits 20 Prozent der Comfort-Class-Passagiere bei Thomas Cook sind Geschäftsreisende. Auf der ab Sommer 2003 neu angebotenen Strecke nach Orlando rechnet das Unternehmen sogar mit einem Anteil von 50 Prozent, führt die bessere Klasse in diesem Fall sogar gezielt ein, um Business-Klientel zu locken. Deshalb wird die Strecke auch erstmals zusätzlich mit einer Flugnummer der Mutterlinie Lufthansa angeboten. "Wir befruchten uns gegenseitig", sagt Thomas-Cook-Sprecherin Nina Dumbert. Zu buchen ist der Flug im Nobelabteil ab 1585 Euro.

Auch Marco Dadomo stellt für LTU fest, dass Geschäftsreisende, die transatlantisch unterwegs sind und etwa nach Toronto, Florida oder Los Angeles müssen, zunehmend den Ferienflugbereich entdecken: "Sie wandern zu uns ab, weil wir günstiger sind und der Komfort mehr als vergleichbar ist." Die Passage nach L.A. etwa kommt in der LTU First Comfort auf 1849 Euro, in der Lufthansa Business Class hingegen auf mindestens 4300 Euro. Dafür gibt es bei Lufthansa 18 Zentimeter mehr Abstand zum Vordermann. In der First Class muss jedoch Platz nehmen, wer Extras wie eine Steppdecke erwartet. Die jedoch hält LTU – statt der üblichen "Polyacrylplastiktrotzdemfrierdecke" (Dadomo) – auch in ihrer Komfortklasse bereit, weil man weiß, wie wichtig gemütliches Sitzen für die Passagiere ist. Essen und Trinken dagegen empfinden die meisten Kunden als zweitrangig.

Thomas Cook macht daraus gleichwohl ein Erlebnis: Das Comfort-Class-Menü ist delikater als die Verpflegung in mancher Business Class, die Weinauswahl auf Synergien ausgerichtet. Dank der Kooperation mit dem namhaften Rheingauer Weingut Schloss Vollrads können Fluggäste gleich eine Riesling-Auswahl zu günstigem Preis ordern. Thomas Cook, nach Flottengröße und Passagierzahlen Europas Ferienfluggesellschaft Nummer eins, bietet außerdem einen Sitzabstand bis zu 125 Zentimetern. Die ergonomisch geformten Flugsessel haben nicht nur eine pneumatische Lendenwirbelunterstützung, sondern auch Sesselohren, die verhindern, dass der Kopf kippt.