Die italienische Regierung hatte Ende vergangenen Jahres noch einmal alles versucht: Eine Verschrottungsprämie für Altautos sollte vor allem den Absatz von Autos aus dem Fiat-Konzern befördern (Marken: Fiat, Lancia, Alfa Romeo). Doch die Italiener liefen weiterhin scharenweise zu ausländischen Marken wie Peugeot, Toyota, Mercedes oder Smart über und ließen den Marktanteil der Fiat-Gruppe gegenüber dem Vorjahr um fast 5 Prozentpunkte auf nur noch 30 Prozent absinken. Mitte der neunziger Jahre kam noch jedes zweite Auto in Italien aus den Fabriken des Turiner Autoriesen.

Steil abwärts ging es auch im restlichen Europa. Während der westeuropäische Markt im vergangenen Jahr nur um 2,9 Prozent nachgab, setzte Fiat 16,8 Prozent weniger Personenwagen ab. So viel verlor kein anderer Hersteller.

Der Verlust bei Fiat dürfte nach Experten-Schätzungen für 2002 bei etwa zwei Milliarden Euro liegen. Obwohl Fiat Auto nur knapp die Hälfte zum Umsatz des weit verzweigten Konzerns beiträgt, droht das defizitäre Autogeschäft die Gewinne der anderen Beteiligungen (unter anderem Lkw, Landmaschinen, Energieversorgung, Versicherungen und Zeitungen) aufzufressen.

Die Gründe für die Talfahrt von Fiat Auto: Zum einen investierten die Turiner in den vergangenen Jahren zu wenig in neue Modelle, und zum anderen traf das Design allzu häufig nicht den Geschmack des Publikums. So erzielte der Hoffungsträger Fiat Stilo in der Golf-Klasse bei weitem nicht die erwünschten Stückzahlen. Das Management will jetzt umsteuern: Höhere Investitionen in neue Modelle und ein Abbau von Fertigungskapazitäten sollen die Wende erzwingen. Der damit verbundene Arbeitsplatzabbau bereitet aber immensen Ärger.

Mittelfristig könnte auch die Kooperation mit General Motors (GM) stärkere Entlastung bringen. Nachdem sich der weltgrößte Autohersteller Ende 2000 mit 20 Prozent an der Fiat-Autosparte beteiligt hatte, wurden der Einkauf sowie die Motoren- und Getriebefertigung von Fiat und der GM-Tochter Opel zusammengelegt.

Fiat besitzt überdies eine "Put Option", nach der es GM vom Jahr 2004 an die restlichen 80 Prozent von Fiat Auto andienen kann. Unabhängige Gutachter sollen dann den "Marktpreis" feststellen. Die seit kurzem auch vom Fiat-Management präferierte Ausgliederung des Autogeschäfts aus dem hoch verschuldeten Konzern könnte das Prozedere erleichtern.