Die Zahlen, die der Regierungschef auf seinen hübschen Schreibtisch bekommt, sind ziemlich hässlich. Die Schulden steigen, die Einnahmen sinken, der Staat braucht Geld.

Der Regierungschef erhöht die Mehrwertsteuer. Das bringt Milliarden, denkt er. Und irrt. Per Gesetz macht er Autos und Waschmaschinen teurer, worauf sein Volk weniger Autos und Waschmaschinen kauft. Die Staatskasse leert sich weiter, und heute, sechs Jahre später, steckt die japanische Wirtschaft noch immer in der Krise.

In diesen Tagen machen sich deutsche Politiker hinter ihren Schreibtischen ähnliche Gedanken wie einst die Kollegen in Tokyo. Aus dem Wirtschafts- und dem Finanzministerium dringt das Gerücht, die Regierung wolle nach den Landtagswahlen in Hessen und Niedersachsen die Mehrwertsteuer erhöhen, der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Wolfgang Böhmer (CDU), signalisiert Zustimmung.

Obwohl in Deutschland der Konsum so schwach ist wie seit zwanzig Jahren nicht mehr, sollen die Konsumenten stärker belastet werden. Warum kommt man nur auf diese Idee?

Weil wir den Bürgern gleichzeitig mehr Geld geben, antworten die Anhänger einer höheren Mehrwertsteuer. Indem wir die nächsten Stufen der Steuerreform vorziehen, also die Einkommensteuer senken, oder indem wir die Sozialversicherungsbeiträge reduzieren. Zwar müssten die Deutschen dann für Waschmaschinen und Autos mehr Geld ausgeben, hätten aber auch ein höheres Nettoeinkommen. Real stünden manche besser da als zuvor.

Fragt sich nur, ob sie das merken würden.

Auch der Euro hat die Konsumenten objektiv nicht schlechter gestellt. Subjektiv aber fühlten sich viele Verbraucher als Verlierer. Sie sahen Preiserhöhungen, wo keine waren, und behielten ihr Geld im Portemonnaie. Ökonomen nennen das Geldillusion, und die befiele die meisten Konsumenten vermutlich auch bei einer Erhöhung der Mehrwertsteuer. Das trotz einer ungewöhnlich niedrigen Preissteigerungsrate verbreitete Gefühl, alles werde immer teurer, würde weiter genährt. Dann gingen die Deutschen vermutlich noch seltener einkaufen, die Umsätze der Unternehmen fielen, und die Staatseinnahmen sänken. Eben wie in Japan.