Wer Kunst und Antiquitäten sammelt, muss sich nach den jüngsten Steuerplänen der Bundesregierung in die Kategorie der Spekulanten einreihen.

Ein Umformulierungsvorschlag für Paragraf 23 des Einkommensteuergesetzes sieht vor, neben Wertpapieren und Immobilien auch Sammlungsstücke mit einer 15-prozentigen "Spekulationssteuer" auf den Veräußerungsgewinn zu belegen.

Der Entwurf wird bis zum 19. Februar im Finanzausschuss in Berlin beraten.

Noch ist also Zeit, die Abgeordneten von der Unsinnigkeit und Unverhältnismäßigkeit dieses Teils des "Steuervergünstigungsabbaugesetzes" zu überzeugen. Im vergangenen Herbst gelang es bereits einigen Kulturschaffenden, in einer konzertierten Aktion eine geplante Erhöhung der Mehrwertsteuer auf Kunst zu verhindern. Allerdings signalisierte man schon damals von Seiten der Politik, dass mit weiteren "Geschenken" nicht zu rechnen sei.

"Sicher gibt es auch Sammler, die nicht aus Liebe sondern aus kaufmännischen Kalkül Kunst kaufen", sagt der Vizepräsident des BDI, Arend Oetker. "Die aber haben ihre Lager in der Schweiz und verkaufen dort, wo es am günstigsten ist.

Derer würde man nicht habhaft werden." Steuerlich betroffen wären nicht in erster Linie Millionäre wie Friedrich Christian Flick, sondern die ambitionierten, aber nicht unbedingt vermögenden Sammler der Mittelschicht.

Bereits im November 2002 hatte der geschäftsführende Gesellschafter des Auktionshauses Villa Grisebach, Bernd Schultz, in einem Brief an den Bundeskanzler auf die Folgen einer Zugewinnbesteuerung für Kunst aufmerksam gemacht: "Kein Sammler wird unter diesen Bedingungen Kunst kaufen oder verkaufen. Oder er wird - in einem Europa ohne Grenzen - den Weg über das Ausland wählen." Derlei Wege gibt es viele. Bernd Fesel, Geschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Galerien (BVDG): "In den Niederlanden, Großbritannien und der Schweiz sind Kapitalgewinne beim Kunstverkauf steuerfrei."