"Die Wirtschaft entdeckt Menschen jenseits der 50 als Zielgruppe." Das ist ihr gutes Recht. Ob die Alten als Zielgruppe aber auch entdeckt werden wollen und auf all den Quatsch, der ihnen aufgeschwatzt wird, auch reinfallen, steht auf einem anderen Blatt. Viel zu unkritisch stimmt die ZEIT mit den heimlichen Verführern von der Sparte "Seniorenmarketing" überein, dass Alte nur umschmeichelt ("Best Agers", "Master Consumers") zu werden brauchen, wenn man ihnen - Achtung: Schleichwerbung - eine Harley oder einen Porsche andrehen will.

Vielleicht sollte die ZEIT jenen Alten mal den Rücken stärken, die nur das Nötige konsumieren, für noch schlechtere Zeiten sparen und Freude an dem Gedanken haben, etwas von ihrem Besitz nach ihrem Tod an Verwandte, Freunde oder karikative Institutionen zu vererben.

Ist Altsein ohne - Achtung: Schleichwerbung! - A-Klasse-Mercedes, ohne Anti-Aging-Creme öd und freudlos? Keineswegs! Man sitzt (im Winter) in seinem Ohrensessel oder (im Sommer) auf seinem Balkonstuhl. Man ist kontemplativ gestimmt, mit Erinnerungen und Erfahrungen beschäftigt, die man gern in Gesprächen weitergibt. Viel Zeit bleibt für Bewegung und Schläfchen.

Donnerstags kommt die ZEIT, und man schreibt ihr Briefe, wenn man meint, sie brauche mal wieder Zu- oder (gelegentlich) Widerspruch. Und all das gibt es fast zum Nulltarif!

Es gibt also mehr Glück zwischen Himmel und Erde, als es sich Wirtschaftsblätter und ihre Redakteure vorstellen können. Nicht "Lasst sie jung aussehen" ist das richtige Motto, sondern: Lasst sie weise sein!

Jürgen Törber Essen