In Zeiten knappen Geldes schrumpft der politische Gestaltungsspielraum - das galt in den vergangenen vier Jahren für das CDU-geführte Hessen genauso wie für die SPD in Niedersachsen. Beide Landesregierungen wollten sparen.

Beide haben in der zurückliegenden Legislaturperiode neue Schulden aufgehäuft. In Niedersachsen stieg der Schuldenstand seit 1999 um 17,8 Prozent

in Hessen liest sich die Bilanz mit 16,2 Prozent nicht wesentlich besser. Unter dem Druck ausbleibender Steuereinnahmen gehörten Haushaltssperre und Nachtragshaushalt hier wie da zu den finanzpolitischen Instrumenten. Während die Investitionsquote sank, stiegen die Personalkosten.

Trotzdem leisteten sich beide Ministerpräsidenten deutliche politische sowie finanzielle Akzente in der Bildungspolitik (mehr Lehrer) und bei der Inneren Sicherheit (mehr Polizisten, bessere Ausrüstung).

Deutliche Unterschiede weisen die Bilanzen für das Wirtschaftswachstum aus.

Bis 2001 lag der Anstieg des Bruttoinlandsproduktes in Hessen jeweils deutlich über dem des Bundes. Neben einer entschlossenen Standortpolitik der Regierung Koch, zu der der Ausbau von Flughäfen und Straßen zählt, profitierte das Land dabei von der günstigen Ausgangssituation mit dem Ballungsraum Rhein-Main als konjunkturpolitischem Motor. 2002 kehrten sich die Vorzeichen um

das hessische Wirtschaftswachstum sackte in der ersten Jahreshälfte stärker ab als in anderen Bundesländern. Im Wahlkampf wirbt Koch nun einmal mehr mit einer "Offensive für den Mittelstand". In Niedersachsen ist es der SPD-Regierung dagegen nicht gelungen, die strukturpolitischen Nachteile des dünn besiedelten Flächenlandes auszugleichen. Das Wirtschaftswachstum blieb in den vergangenen vier Jahren konstant hinter dem Bundesdurchschnitt zurück - ein Ergebnis, das hauptsächlich auf die Strukturschwäche im Dienstleistungssektor zurückzuführen ist. Nach wie vor hängt viel an VW, unter anderem 16 Prozent der Industriearbeitsplätze im Land.