Kaufen, wenn die Bomben fallen. So lautet ein Ratschlag zynischer Börsenstrategen. Wer, wenn nicht Rüstungsunternehmen, profitiert schon, wenn Kampfjets ihre Raketen ausklinken und Artilleriegeschosse den Weg ins Ziel finden? Wenn Flugzeugträger zu schwimmenden Kommandozentralen werden und Militärsatelliten den punktgenauen Abwurf smarter Sprengkörper steuern?

Northrop Grumman zum Beispiel. "Das beste Unternehmen Amerikas", befand das US-Wirtschaftsmagazin Forbes in seiner Januarausgabe. "We see you, Saddam", überschrieb die Zeitschrift ihren Artikel – "Bis bald, Saddam". Money empfahl die Aktie der Waffenschmiede, die nach 16 Firmenübernahmen in zehn Jahren zum zweitgrößten Rüstungskonzern der Welt aufgestiegen ist, als eins von sieben Börsenpapieren, die ein kluger Investor in diesem Jahr im Portfolio haben sollte. Nicht ganz so euphorisch, aber dennoch guten Mutes sind die Analysten bei den anderen Großen des amerikanischen Kriegshandwerks. Rüstungsaktien gelten in Kriegs- und Krisenzeiten als sicherer Hafen. Lockheed Martin, die Nummer eins im Waffensektor, wird von 6 unter 16 Branchenexperten als strong buy gewertet.

Nicht ohne Grund: Ende der vergangenen Woche verkündete das Unternehmen, dass es für 2003 mit einem um acht bis zwölf Prozent höheren Umsatz rechne. Auch Raytheon, die auf Raketen und Elektronik spezialisierte Nummer vier Amerikas, will in diesem Jahr sechs bis sieben Prozent mehr Geschäft machen. Dabei ist es nicht erst der mögliche Waffengang im Irak, der die Herzen jener höher schlagen lässt, die mit Rüstung Geld verdienen. Schon Anfang 2002 konstatierte Heidi Wood, angesehene und viel zitierte Analystin beim Investmenthaus Morgan Stanley, ein "attraktives und organisches Umsatz- und Gewinnwachstum im Verteidigungssektor".

Organisch auch deshalb, weil Amerika – vor allem als Folge der Terroranschläge in New York und Washington am 11. September 2001 – wieder richtig viel Geld für seine Streitkräfte ausgibt: Im Haushaltsjahr 2003 kann das Pentagon mit insgesamt 379 Milliarden Dollar rechnen. Das sind rund 29 Prozent mehr als im Jahr 2000.

Schon jetzt ist der Verteidigungsetat der Vereinigten Staaten 25-mal größer als die Summe aller Mittel, die die so genannten Schurkenstaaten Iran, Irak, Lybien, Syrien, Sudan, Nordkorea und Kuba zusammen für die Rüstung aufwenden. Rund zwei Drittel der weltweiten Militärausgaben entfallen gegenwärtig auf die Nato und ihre Alliierten. Als in Washington Ronald Reagan regierte, waren es nur etwa 50 Prozent.

Allerdings steckte Reagan wesentlich mehr Geld in den Kauf neuer Waffen, als George W. Bush es tut. In heutigen Dollars gerechnet, wurden 1983 für Schiffe, Bomben oder Flugzeuge 121 Milliarden ausgegeben. Heute sind es 73 Milliarden, zu denen noch einmal 50 Milliarden Dollar für die Erforschung und Entwicklung zukünftiger Waffensysteme kommen. Experten wie David Strauss, Analyst beim Investmenthaus UBS Warburg, rechnen allerdings damit, dass die Beschaffungsausgaben in den nächsten Jahren um jährlich acht bis zehn Prozent steigen werden. 2009, so die Prognose, dürften die Vereinigten Staaten dann rund 490 Milliarden Dollar für ihre Soldaten und deren Waffen ausgeben.

Solche Zahlen freut eine in den Neunzigern auf nur wenige große Player geschrumpfte Rüstungsbranche. 1993 – nach dem Ende des Kalten Krieges redete alle Welt noch von einer "Friedensdividende" – hatte der damalige US-Verteidigungsminister Les Aspin die Chefs der wichtigsten Waffenschmieden in Washington versammelt, um sie vor die Alternative zu stellen, zu fusionieren oder das Rüstungsgeschäft aufzugeben. Die Folge dieses als "letztes Gericht" in die Geschichte eingegangenen Gesprächs: Unternehmen wie Lockheed Martin, Boeing, Northrop Grumman, Raytheon und General Dynamics sind heute so dominant wie nie zuvor.

Sieben der zehn weltgrößten Rüstungsfirmen kommen aus den USA. Sie bestimmen mit darüber, mit welchen Waffen amerikanische Soldaten in den Krieg ziehen. Vor 41 Jahren warnte der damalige US-Präsident Dwight D. Eisenhower noch vor der "unzulässigen Beeinflussung" der Politik durch den "militärisch-industriellen Komplex"; heute sprechen Kritiker von einem "eisernen Dreieck" aus Militär, Rüstungsindustrie und einzelnen Politikern, das die Entscheidung über Strategie, Mittelvergabe und Waffensysteme unter sich ausmacht. In der Regierung Bush sitzen nicht nur Vertreter der Ölbranche, sondern auch ehemalige Manager der Waffenfirmen. James Roche etwa, der für die Luftwaffe zuständige Staatssekretär im Pentagon, arbeitete früher für Northrop Grumman, sein Stellvertreter Peter Teets war Vorstandsmitglied bei Lockheed Martin.