Bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG ist man wortkarg. "Keine Stellungnahme" will man zum Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) abgeben, "solange die schriftliche Urteilsbegründung nicht vorliegt". Dass KPMG auf Tauchstation geht, ist verständlich. Denn der Karlsruher Richterspruch könnte sich für die Bilanzexperten als unternehmenspolitischer Gau erweisen. Wegen "der Besorgnis der Befangenheit" hat das Gericht die Bestellung der KPMG 1999 zum Prüfer des Jahresabschlusses der Bayerischen HypoVereinsbank für "nichtig" erklärt (AKZ II ZR 49/019). Damit gab der BGH der Klage eines Einzelaktionärs statt, der die vom Gesetz für Abschlussprüfer geforderte "Unabhängigkeit, Unbefangenheit und Unparteilichkeit" der KPMG wegen ihrer gleichzeitigen Beratertätigkeit für die Bank angezweifelt hatte.

Das Urteil ist auch für den seit Anfang des Jahres amtierenden Aufsichtsratsvorsitzenden und Ex-Vorstandschef der HypoVereinsbank, Albrecht Schmidt, verheerend. Immerhin ist auch die damalige Bestellung der BDO als Sonderprüfer laut BGH nichtig. Die BDO hatte unter anderem den Auftrag zu untersuchen, ob ein nach der Fusion von Bayerischer Hypobank und Vereinsbank aufgedeckter Wertberichtigungsbedarf von 3,6 Milliarden Mark vom damaligen Vereinsbankvorstand unter Schmidt vor der Verschmelzung beider Institute hätte erkannt werden müssen. Der Vorschlag zur Wahl der BDO war der Hauptversammlung von Vorstand und Aufsichtsrat gemeinsam unterbreitet worden - ein glatter Verstoß gegen das Aktienrecht. Der Vorstand, stellen die Richter klar, dürfe auf den Wahlvorschlag für einen Sonderprüfer "keinen Einfluss nehmen", weil dieser "gerade dessen Geschäftsverhalten überprüfen soll". Die Folge des Karlsruher Diktums: Rechtlich gesehen existiert das teuer bezahlte und ohnehin umstrittene BDO-Gutachten nicht.

Welche weiteren unmittelbaren Rechtsfolgen das Urteil für die KPMG und die HypoVereinsbank darüber hinaus hat, hängt nach Ansicht von juristischen Experten weitgehend von der schriftlichen Urteilsbegründung ab. So viel allerdings scheint unstrittig: Die KPMG hat keinen Anspruch auf ein Honorar für ihre Prüfung des Jahresabschlusses. Und für den Hamburger Juraprofessor und Gesellschaftsrechtsexperten Karsten Schmidt ist schon jetzt sicher: "Das ist ein enormer Warnschuss für die ganze Wirtschaftsprüferbranche." Ähnlich sieht es auch Peter Hommelhoff, Wirtschaftsjurist und Rektor der Heidelberger Uni: " Das Urteil könnte die deutsche Antwort auf Worldcom und Enron sein."