Das europäische Gefühl der Überlegenheit - und nicht etwa der Schuld - weicht allmählich gesunden Selbstzweifeln. Die eigene Kultur wirkt zunehmend nivelliert, unberechenbar, zerstörerisch, exzentrisch.

Erst aus dem Versagen westlicher Modelle entstehen im Westen sonntags zarte Schuldgefühle. Und im Orient und anderswo natürlich Schuldzuweisungen. Beides sind zunächst einmal Korrekturreflexe auf dem Weg in die unvermeidlich gemeinsame Zukunft.

Roman Brandenburg Aachen

Theologie als Apologie der politischen und ökonomischen Folgen kolonialer Machtpolitik ist zwar originell, stellt für mich aber einen Rückfall in längst totgeglaubte Argumentations-Strategien dar. Die Aufklärung scheint nicht stattgefunden zu haben. Dafür aber postmoderne Religiosität im Dienste des Machterhalts und der Besitzstandswahrung. Also, ihr Gläubigen, behaltet euer Kapital, und wehe dem, der wider es ist - bis zum bitteren Ende!

Thomas Kempa, Bochum

Als Psychoanalytikerin, die Sigmund Freud als ihren geistigen Vater ansieht und gleichzeitig als jemand, der sich sowohl christlichen Gedanken als auch der Aufklärung verbunden fühlt, will ich ihren Beitrag nicht unwidersprochen lassen. Die Fähigkeit zum Schuldgefühl ist eine Kulturleistung, in der individuellen Entwicklung ein Reifeschritt, weil er die Fähigkeit zur Einfühlung in den anderen und die Relativierung der eigenen Sicht erfordert.

Sie ist eine allgemein menschliche Fähigkeit, sofern das Kind im psychoanalytischen Sinn ausreichend gute Erfahrungen mit der Mutter macht.