"Amerikanische Wissenschaftler haben festgestellt ...", das war einst ein Satzanfang mit Klang. Die aktuelle US-Regierung aber hat Probleme mit ihren Akademikern. Nicht nur mit der Geisteszunft, notorisch verdächtig, liberal zu sein. Das Wort wird derzeit ähnlich verächtlich ausgesprochen wie weiland, unter McCarthy, communist. Selbst Forscher, deren Schaffen auf festen Fakten fußt, geraten ins Visier rustikaler Republikaner: Mediziner, Umweltexperten, selbst Rüstungsforscher.

Entweder du bist für uns oder gegen uns - diese schlichte Doktrin, im Krieg gegen den Terror geboren, scheint auch bei der Auswahl des Sachverstandes für Washingtons Beratergremien zu gelten. "Da werden Leute eingesetzt, die sicherstellen, dass die Regierung zu hören bekommt, was sie hören will", klagt David Michaelis, Professor an der George Washington University. Keine Regierung habe "je so tief in die Strukturen eingegriffen", sagt Donald Kennedy, Chefredakteur von Science.

Besonders auffällig: die Umbesetzungen von Bushs Gesundheitsminister Tommy G.

Thompson. Ein Komitee, das - zum Ärger der pharmazeutischen Industrie - strengere Regeln zum Schutz menschlicher Forschungssubjekte aufstellen wollte, wurde im vergangenen Jahr plötzlich aufgelöst. Ähnlich jäh endete auch ein Beirat, der sich mit dem boomenden Markt genetischer Heimtests befasste.

Die Wahlkampfspenden der Industrie scheinen Früchte zu tragen. So wurden im Beratungsgremium, das sich mit Bleivergiftungen von Kindern beschäftigt, fünf Experten eingesetzt, die die Grenzwerte nicht so eng sehen. Im Beirat, der den Direktor des Nationalen Umweltgesundheitszentrums berät, tauschte die Regierung 15 von 18 Mitgliedern aus, zumeist durch Leute, die das Brot der Chemie- und Ölindustrie essen. Darunter ist eine berüchtigte Kinofigur: Dennis Paustenbach, jener kalifornische Toxikologe, der für Pacific Gas and Electric gegen die Umweltaktivistin Erin Brockovich kämpfte.

Zum Weihnachtsfest schließlich berief die Bush-Administration David Hager an die Spitze des Reproductive Health Drugs Advisory Committee. Der Doktor aus Kentucky, von militanten Abtreibungsgegnern verehrt, lehrt, dass die Liebe zu Jesus Frauenleiden heilt und empfiehlt gegen Kopfschmerzen ausgewählte Bibelstellen.

Die Bush-Beamten gehen zuweilen recht nassforsch vor. Als der Suchtexperte William Miller in ein Beratergremium des National Institute on Drug Abuse berufen werden sollte, fragte das Ministerbüro gleich am Telefon, ob er für ein Recht auf Abtreibung sei, wie er zur Todesstrafe stehe und ob er George W. Bush gewählt habe. Seine Berufung fand nicht statt. Er habe, spottete Miller, "offenbar die falschen Antworten gegeben".