Das Ergebnis der Landtagswahlen in Hessen und Niedersachsen ist so offenkundig, dass einem die Wahlanalytiker (oder muss man schon sagen: Wahl-Analysten?) richtig leid tun können. Originelles fällt einem dazu nicht ein - so komplett ist der Einbruch der SPD.Ich denke dabei zurück an die Jahreswende 1982/1983 - nach dem Sturz von Helmut Schmidt und vor der dann vorgezogenen Neuwahl des Bundestages. Auch damals stand ein Thema der Außen- und Sicherheitspolitik (und des "Militärischen") im Hintergrund. Und auch damals hoffte die SPD, mit Themen der Friedenspolitik dem Fiasko ihrer Innenpolitik zu entkommen. "Für ein Land ohne neue Raketen" - so lautete damals die verkürzte Parole der SPD, als ob in dieser Formel die volle Realität der Politik des Nato-Doppelbeschlusses richtig wiedergegeben und als ob damit schon eine aussichtsreiche Politik gegen die Aufrüstungspolitik Saddam Huss… pardon: Leonid Breschnews vorgezeichnet worden wäre. Und zwar ohne Isolierung Deutschlands in seinem Bündnis und in seinen Beziehungen. Am Ende, um es einmal ganz platt auszudrücken, wählten die Deutschen in ihrer Mehrheit lieber "Kohl mit Raketen" als "Vogel ohne Raketen".Nicht anders in Niedersachsen und in Hessen: Die Bürger wollten in ihrer Mehrheit, sicher auch die Bürger der CDU, keinen Krieg - sowenig wie ich diesen Krieg hier und heute für unausweichlich nötig und deshalb allenfalls für vertretbar halten kann. Aber das Vorzeigen der Friedensflagge allein hebt eben die politische Auseinandersetzung über die gesamte Politik, im Inneren wie im Äußeren, nicht auf. Und zwar schon deshalb nicht, weil mit einem bedingungslosen Nein zum Krieg, erst recht mit einem bedingungslosen Nein zu Beschlüssen der Uno ja noch nicht gesagt ist, was diese Haltung von einem bedingungslosen Ja zur Politik des Irak wirklich unterscheidet. Und das spüren die Menschen: Wer ihnen nur Nein zum Krieg sagt, ohne ihnen erklären zu können, was das Ja zum Frieden denn nun konkret gegenüber Friedensstörern bedeutet - der wird dann doch nicht so ernst genommen. Vor allem wird sein Friedensengagement nicht so ernst genommen, dass es die anderen politischen Fragen schamhaft überdeckt. Im Gegenteil, man spürt den instrumentellen Aspekt der Friedensparole - und ist verstimmt.Noch einmal: Gegen den Krieg hier und jetzt zu sein, das ist das eine. Aus dieser Haltung überzeugende Politik werden zu lassen, das andere. Weil es am zweiten fehlt - konnte aus dem ersten allein keine erfolgreiche Wahl-Politik werden. Jetzt hat die SPD mit einem doppelten Scheitern zu tun, mit dem in der Innen- wie mit dem in der Außenpolitik. Wie 1983!