USA Geschätztes Amerika oder: Der Tod eines Vorurteils

Die Kultur-Brücke steht fest

Donald Rumsfeld und seine handzahmen Falken mögen sich um seine Wiederbelebung bemühen – aber der gute alte Antiamerikanismus ist hierzulande moribund. Er hat sich verzogen in die Moscheen, Basare und Universitäten des Orients. In Deutschland fristet er ein vergreistes Dasein in den Köpfen elitär-konservativer Feuilletonisten, die im Schatten von Berlins Kriegsabstinenz eine Rückkehr zur national-leitkulturellen Souveränität erhoffen. Oder er geistert durch das Gemüt einiger sitzen gebliebener Antiimperialismus-Dogmatiker. Und die Globalisierungskritik der deutschen Linken? Sie ist eine ur-amerikanische Erfindung und kann nicht gleichgesetzt werden mit amerikafeindlichen Ressentiments.

Deren Karriere begann in der Romantik: Missglückt war die eigene, revolutionäre Befreiung aus der feudalen Vergangenheit. Deutschlands fatalen Abschied aus der neuen demokratischen Weltgeschichte, die in Amerika begonnen hatte, versüßten sich die Dichter und Denker mit zynischem Hochmut. Selbst ein Heinrich Heine vermutete in den Vereinigten Staaten ein „Freiheitsgefängnis, wo der widerwärtigste der Tyrannen, der Pöbel, seine rohe Herrschaft ausübt“. Die Arroganz des Vorurteils reichte weit ins 20. Jahrhundert. Für C. G. Jung gab der Amerikaner „einen Europäer mit Negermanieren“, und Sigmund Freud fasste zusammen: „Amerika ist ein Fehler.“

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Der Kulturkritiker Hitler

Ihr überhebliches Amerikabild hatten die deutschen Schriftsteller nach 1933 ins Exil gerettet: „Ein Land“, so Carl Zuckmayer, „ohne Kultur, ohne Drang nach Schönheit oder Form“ – eine geistige Wüstenei. Thomas Manns notorische Verachtung der amerikanischen Republik hätte als des Dichters Blindenausweis genügt.

Während die deutschen Emigranten an Amerika litten, als hätte es ihnen das Asyl verweigert, gab Hitler 1942 – die Emordung von Europas Juden war beschlossene Sache – eine Presseanweisung heraus: „Was wir gegen die amerikanische Nation anführen, ist in erster Linie der völlige Kulturmangel.“ Derlei anthropologische Idiotien haben ein langes Leben. Noch in den siebziger Jahren lebten sie im Kursbuch, aber auch in der ZEIT fort: lauter tröstliche Überlegenheitsfantasien verspäteter Demokraten. Doch sie sind verweht.

Deutschland ist längst amerikanisiert: Die Wissenschafts- und Wirtschaftselite bewegt sich durch die akademischen und unternehmerischen Institutionen der USA mit der dankbaren Gewissheit, dazuzugehören.

Seit Jahrzehnten dominieren amerikanische Autoren die Bestseller-Listen. John Updikes Klagen über die verletzten Seelen des amerikanischen Mittelstands wurden als universale, also auch in Deutschland gültige Diagnose der Moderne verstanden. Thomas Pynchons amerikakritische Mythen geheimdienstlicher Herrschaftsallüren gelten als Parabeln missbrauchter Macht, die überall zutreffen. Hollywoods große Heldensagen haben die moralischen Lehrstücke der europäischen Bühnen in der Publikumsgunst verdrängt. Vom Management über die Werbung, von der Mode über die Musik, die Malerei und Architektur bis hin zur Medizin: Noch niemals in der Geschichte hat es eine so durchgängige und erfolgreiche Akkulturation gegeben wie die Amerikanisierung Deutschlands.

Das deutsche Kriegstrauma

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