Geld-Geber
Ackermann, Zwickel und Co. haben das Maß verloren
Die Mannesmann-Affäre strebt ihrem Höhepunkt entgegen. Sehr wahrscheinlich, dass Spitzenkräfte der Deutschland AG in Kürze unter Anklage stehen, unter ihnen Josef Ackermann, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank, und Klaus Zwickel, Chef der IG Metall. Der Vorwurf: Untreue und Beihilfe zur Untreue. Die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft hat ihre Ermittlungen abgeschlossen, jetzt prüft das dortige Justizministerium, und in drei Wochen könnten die Beamten grünes Licht geben.
Es geht um die Rechtmäßigkeit der Zahlungen, die im Finale der größten Übernahmeschlacht Europas an Vorstandsmitglieder der Mannesmann AG gezahlt wurden. Rund 130 Millionen Euro flossen Anfang 2000 an die Mannesmann-Führung, als sich die Übernahme durch den britischen Konkurrenten Vodafone abzeichnete. Allein der damalige Mannesmann-Chef Klaus Esser kassierte 31 Millionen Euro. Nun werden wohl die Richter über die „Angemessenheit“ der Zahlungen entscheiden und klären müssen, warum ein kleiner Aufsichtsratsausschuss (mit Ackermann und Zwickel) so kräftig Geld verteilte.
Egal, ob die Prämien rechtens waren: Es ist gut, wenn es jetzt zur Anklage kommt. Dann werden endlich die grundsätzlichen Fragen zur Unternehmensführung und -kontrolle geklärt, um deren Beantwortung sich Manager, Politiker und Professoren bisher immer drückten. Zum Beispiel diese: Warum gewähren sich gerade jene Manager die üppigsten Gehälter und Aktienoptionsprogramme, die keine Eigentümerfamilie als Großaktionär im Nacken haben? Warum entscheidet in der Regel der Vorstand, wer ihn als Aufsichtsrat kontrollieren soll? Warum werden so wenig unabhängige Aufsichtsratsvorsitzende gewählt und stattdessen lieber die ehemaligen Chefs zu Aufpassern gemacht?
In Deutschland bestimmen die Arbeitnehmervertreter mit, wie viel Gehalt die Führungskräfte verdienen – ohne Mandat der Aktionäre, also der Eigentümer. Klaus Zwickel hatte die einmalige Chance, durch sein Veto die Zahlungen zu untersagen. Er hat sie nicht genutzt und so den Gegnern der Mitbestimmung weitere Munition geliefert.
Josef Ackermann seinerseits ist sich keiner rechtlichen und moralischen Schuld bewusst. Mit der Aufregung um 31 Millionen Euro für einen „Leistungsträger“ mache Deutschland sich lächerlich, meint er. Er rät dem Land aufzuwachen. Kein Wunder, zahlt die Bank ihren Vorständen und Investmentbankern doch ähnlich absurde Summen.
Das Maß ist verloren gegangen. Vielleicht finden die Richter in Düsseldorf es wieder.
Robert von Heusinger
- Datum
- Quelle (c) DIE ZEIT 07/2003
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