Wirtschaft Fluch der RohstoffeSeite 2/2
Auch Europa ist nicht vor dem schädlichen Einfluss der Rohstoffe gefeit. Wer würde ernsthaft bestreiten wollen, dass die Lobbyisten der Landwirtschaft auch die Europäische Union in einem gewissen Umfang korrumpiert haben? Wer würde bestreiten, dass sie damit eine Freihandelsunion in eine Subventionsmaschine verwandelt haben? In eine Maschine, die – hier hat die Hilfsorganisation Oxfam durchaus Recht – die Dritte Welt in Schach hält.
Man könnte daher argumentieren, das Fehlen von Rohstoffen sei ein Segen. Die Regierungen von Ländern, die keinen Vorrat an Schätzen zu verteidigen haben, suchen nach anderen Einkommensquellen. Sie haben daher ein Interesse daran, ein freiheitliches Umfeld zu schaffen: eines, das Individuen das Gefühl gibt, dass sie etwas zu gewinnen haben, wenn sie andere Formen des Besitzes schaffen – etwa geistige Leistungen. Hongkong ist dafür ein Beispiel.
Hier aber kommen wir an einen wichtigen Punkt: Die Lage ist heute vielversprechender, als sie es in den siebziger Jahren war. Wir haben gelernt, dass tatsächlich alle Menschen der Erde – selbst in kargen Wüsten – etwas besitzen, das sie entwickeln können: ihr intellektuelles Kapital. Die Herausforderung ist nun, diesen Menschen zu beweisen, dass die Macht der Rohstoffe keine Fügung des Schicksals ist.
Aus dem Englischen von Christian Kirchner
- Datum 13.02.2003 - 13:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 08/2003
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