Nachhaltigkeit Der Konzern als guter Bürger

Ob das Thema Nachhaltigkeit wohl nachhaltig ist? Oder nur eine Mode? Seit ein paar Jahren überbieten sich Unternehmen damit, Bekenntnisse zu Ökologie und sozialer Verantwortung abzugeben und auf ihr Engagement als gute hinzuweisen – was in etwa so viel heißen soll, dass auch sie gute Staatsbürger sein wollen. Der Allianz-Konzern wird seinen Aktionären bei der nächsten Hauptversammlung im April ein hundertseitiges in die Hand drücken, Siemens hat einen entsprechenden Report vorgelegt, und DaimlerChrysler berichtete schon im vergangenen Jahr ausführlich über sein gesellschaftliches Engagement, um nur drei Beispiele zu nennen.

Hinter all diesen Aktivitäten steckt die Idee einer triple bottomline, einer dreifachen Bilanz, in der Unternehmen nicht nur ihre ökonomische, sondern auch die ökologische und soziale Nachhaltigkeit ihres Wirtschaftens belegen sollen. Dabei steht der Begriff Nachhaltigkeit nicht nur für umweltschonendes Handeln mit Rücksicht auf die nachkommenden Generationen, sondern generell für fast jede langfristig orientierte Tat zum Nutzen der Gesellschaft und des Unternehmens.

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Spätestens seit UN-Generalsekretär Kofi Annan 1999 seine Initiative des global compact ins Leben rief, gehört Nachhaltigkeit auch in der Business-Welt zum guten Ton. Im Rahmen des UN-Projekts sollen sich Konzerne weltweit für die Menschenrechte einsetzen, für einige fundamentale Arbeitsrechte und die Beachtung des Umweltschutzes.

Doch inzwischen ist der Nachhaltigkeitsbegriff derart schwammig geworden, dass es immer schwieriger wird, Unternehmen an ihm zu messen. Oft stehen die verschiedenen Zielvorstellungen im krassen Widerspruch zueinander – so mag es für einen Automobilkonzern ökonomisch „nachhaltig“ sein, den seit Jahren anhaltenden Trend zu immer größeren PS-Monstern mitzumachen, aber ist das auch ökologisch sustainable?

Die verschiedensten Gruppen arbeiten daran, globale Standards für Nachhaltigkeitsberichte festzulegen, in denen Firmen über ihre Anstrengungen berichten sollen. Am bekanntesten ist die Global Reporting Initiative, die mit den Vereinten Nationen zusammenarbeitet. Spezialisierte Anlagefirmen und Researchagenturen wie etwa die Züricher Sustainable Asset Management (SAM) oder die Münchner Ratingagentur ÖKOM erstellen auch schon eine Art Nachhaltigkeitsrating, mit dem sie das Engagement von Unternehmen benoten.

Doch trotz aller Bemühungen existieren keine allgemein anerkannten Kriterien, anhand derer sich klar entscheiden ließe, wer wirklich nachhaltig wirtschaftet und wer nicht. Viele Ratings wie das von SAM bleiben außerdem schwer nachvollziehbar, weil sich die Kriterien laufend verändern und weil die detaillierten Bewertungsmethoden nicht veröffentlicht werden – die Züricher wollen ihr wichtigstes Geschäftsgeheimnis nicht aus der Hand geben.

Nicht zuletzt wird die ganze Debatte um Nachhaltigkeit derart mit Marketing vermischt, dass jedes ehrliche Bemühen an Glaubwürdigkeit verliert. Wer mag schon die Bekenntnisse eines Jürgen E. Schrempp zu ökologischer und sozialer Verantwortung ernst nehmen, wenn im gleichen Bericht PR-Aktionen von DaimlerChrysler gefeiert werden wie: „Smarts schmücken Opernfestival auf Rügen“.

Wahrscheinlich hilft nur eine radikale Entschlackungskur: Reduziert man Nachhaltigkeit auf ihren Kern, auf Umwelt- und Ressourcenschutz, und betrachtet alle übrigen Aspekte als andere Baustelle, so sind die Kriterien klar. Für Umweltmanagement und reine Ökoberichte existieren längst feste Normen: etwa die ISO 14001 und die DIN 33922. rud

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