Die Elbeflut 2002 wird für Deutschland noch lange Zeit ein prägendes Erlebnis bleiben. Allein die wirtschaftlichen Schäden betragen etwa 15 Milliarden Euro. Nur rund ein Fünftel davon war versichert. Im Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre wurden weltweit etwa 10 Milliarden Euro jährlich als Versicherungsleistung für wetterbedingte Schäden ausgeschüttet, die unversicherten Schäden dürften sich pro Jahr auf mehr als 50 Milliarden Euro summiert haben. Mit dem Klimawandel, den wir Menschen durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe in die Wege geleitet haben, werden diese Schäden weiter ansteigen, vermutlich auf etwa das Doppelte. Jahrzehntelang wird man allerdings nicht wissen, mit welcher Wahrscheinlichkeit wann und wo welche Schäden zu erwarten sind; das Klimasystem verlässt ja erst gerade seinen Zustand, auf dem die bisherigen Statistiken beruhen. Gerade deshalb aber sind die zu erwartenden immensen Schäden eine Herausforderung gleichermaßen für die Versicherungsbranche wie für den Staat.

Die Herausforderung trifft die weltweite Rückversicherungsbranche (an deren Umsatz deutsche Rückversicherer mit über einem Viertel den größten Anteil stellen) in einer schwierigen Situation. In den vergangenen Jahren hat ein harter Preiskampf die Margen in engen Grenzen gehalten, die Rückschläge an den Aktienmärkten haben das Vermögenspolster der Rückversicherer deutlich geschmälert. Es besteht die Gefahr, dass zukünftige Megaschäden die Kapazität der Branche übersteigen werden. Die Rating-Agentur Moody's gab kürzlich bereits einen „negativen langfristigen Ausblick“ für die Rückversicherungsbranche insgesamt. Erfreulicherweise reagieren aber große Rückversicherer – wie die Swiss Re und besonders die Münchener Rück – auf das spezifische Gefahrenpotenzial der globalen Klimaveränderung mit Umsicht und Eigeninitiative: Sie gehören zu den kompetentesten Stimmen in der klimapolitischen Debatte und setzen sich energisch für eine wirksame Klimapolitik ein.

Immer mehr Dürren

Der Zusammenhang zwischen Erwärmung der Erdatmosphäre und extremen Niederschlägen ist ähnlich wie jener zwischen Rauchen und Lungenkrebs. Am Krebs wie am Klimawandel verstehen wir vieles nicht, und Lungenkrebs kann ebenso ohne vorheriges Zigarettenrauchen entstehen wie eine Jahrhundertflut ohne Klimawandel. Beim Lungenkrebs verstehen wir den grundlegenden Mechanismus aber gut genug, um die Tabakindustrie für Gesundheitsschäden zur Kasse zu bitten.

Aus den Daten der vergangenen 100 Jahre und aus vielfältigen Modellrechnungen für die nächsten 100 Jahre wissen wir auch, dass drastische Niederschlagsereignisse häufiger und intensiver werden, wenn die Erdatmosphäre wärmer wird. Denn sie gleicht einem gewaltigen Pumpwerk, das vom Meer stetig Wasserdampf hochpumpt, um dieses Wasser an wenigen Orten in unterschiedlichen Schüben wieder fallen zu lassen. Durch die globale Erwärmung wird dieses Pumpwerk beschleunigt, und die verstärkten Extremniederschläge erzeugen verheerende Überschwemmungen. Zugleich verlagern sich manche Niederschlagsgebiete, sodass in einigen Gebieten – wie 2002 im Südwesten der USA – Dürren häufiger werden. Die Menschheit ist dabei, so viel fossile Brennstoffe zu verbrennen, dass die Atmosphäre in wenigen Generationen mehr Treibhausgase enthalten wird als je zuvor in der Menschheitsgeschichte.

Für die Politik ist ein Jahrhundert eine lange Zeit, aber auf der für das Klimasystem relevanten geologischen Zeitskala könnten die nächsten 100 bis 200 Jahre den abruptesten Wandel seit Millionen von Jahren bedeuten. Dadurch bürden wir unseren Nachfahren Risiken auf, die kaum zu verantworten sind. Zusätzlich zu Dürren und Extremniederschlägen sind vor allem vermehrt Sturmfluten zu erwarten. Außerdem bedroht der durch die globale Erwärmung bewirkte Anstieg des Meeresspiegels den Lebensraum von Hunderten Millionen Menschen. Die Mehrheit der Menschheit lebt schließlich in Küstenregionen.

Klimaschäden lassen sich ohne Nutzung des Versicherungsprinzips nicht vernünftig abfedern. Aus vielen Untersuchungen ist bekannt, dass die Erwartung, der Staat werde im Katastrophenfall die Schäden abgelten, dazu führt, dass mögliche und nötige Vorsorgemaßnahmen unterlassen werden. Deshalb braucht es privatwirtschaftliche Versicherungsverträge, die Anreize für Vorsichtsmaßnahmen geben, nicht zuletzt in Form vertraglich vereinbarter Selbstbeteiligung.