Wer soll das bezahlen?Seite 3/3
Dank des Fonds könnten erstens nicht versicherbare Schäden, die heute verursacht werden, aber erst in Zukunft in zufälliger Streuung anfallen werden, angemessen reguliert werden. Zweitens aber können die Verursacher für die durch sie bewirkten Schäden zur Rechenschaft gezogen werden. Eine Gebühr auf den von der EU beschlossenen Handel mit Emissionsrechten könnte den Fonds speisen. Denkbar wäre aber auch ein Obolus auf Benzin und Diesel. Um 100 Milliarden Euro pro Jahrzehnt anzusparen, genügte weniger als ein Cent pro Liter. Der Effekt: Europa würde befähigt, das Versicherungsgeschäft unter Einbeziehung der klimatischen Risiken angemessen weiterzuentwickeln und seine Führungsrolle in der weltweiten Klimapolitik zu festigen.
Es ist gegenwärtig in Europa Mode, sich moralisch über das Amerika der Bush-Dynastie zu erheben, ohne viel zur Lösung der Probleme selbst beizutragen. Im Klimabereich ist das besonders leicht, da sich die Bush-Administration aus der aktiven internationalen Klimapolitik vorerst verabschiedet hat. Doch Europa sollte eine verantwortlichere Haltung einnehmen. Es kann in eine breit akzeptierte Rolle in der Welt von morgen hineinwachsen, indem es Wege zur Lösung globaler Umweltprobleme aufweist. Ein Klimafonds wird in absehbarer Zukunft nicht auf globaler Ebene entstehen können. Wenn andererseits nur einzelne reiche Länder interne Arrangements mit ihren Versicherungen vorbereiten, wird das nicht zur Lösung des globalen Problems beitragen. Europa hat dagegen die erforderliche kritische Masse, eine spürbare internationale Auswirkung zu erzielen und auch andere Staatengruppen zu ähnlichen Schritten zu ermutigen.
Carlo C. Jaeger, Volkswirt und Soziologe, ist Abteilungsleiter am Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK) und Vorsitzender des European Climate Forum. Detlef F. Sprinz arbeitet als Politikwissenschaftler und Volkswirt am PIK. Klaus Hasselmann ist Physiker und ehemaliger Direktor des Max-Planck-Instituts für Meteorologie in Hamburg
- Datum 13.02.2003 - 13:00 Uhr
- Seite 1 | 2 | 3 | Auf einer Seite lesen
- Quelle (c) DIE ZEIT 13.02.2003 Nr.8
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:



