Überall Herzchen, Blümchen, Küsschen und Liebesbekundungen aller Art: Am Valentinstag wird es kritisch für Alleinstehende und unglücklich Verliebte. Wie lässt sich der 14. Februar philosophisch meistern? Der Ethikrat sendet, mit lieben Grüßen, fünf pragmatische Vorschläge an alle Liebesleidenden.

Sie werden nicht geliebt? Sie finden keinen Trost? Hier fünf Möglichkeiten, damit umzugehen – vielleicht kann wenigstens eine Sie überzeugen:

1. Das Ausbleiben der Liebe lässt sich ebenso wie ihr Auftreten nur bedingt beeinflussen. Liebe ist ein Phänomen, das zwischen Menschen gelegentlich auftritt, gelegentlich auch ausbleibt. Wenn es auftritt, wird es Menschen "warm ums Herz", wenn es ausbleibt, kalt. Das kommt sogar in den besten Beziehungen vor. Das scheint zyklisch wie die Jahreszeiten zu sein. Nichts zu machen.

2. Das Ausbleiben der Liebe, so bedauernswert es ist, ist nicht metaphysisch schlimm. Zwar ist die Nostalgie der verlorenen "Einheit" übermächtig, von der auf besonders schöne Weise der Mythos von den Kugelwesen, die die Menschen ursprünglich gewesen sein sollen, in Platons Symposion handelt. Aber wie viel Entzweiung resultiert gerade aus dem Traum der Einheit, der sich im Alltag und in der Erstreckung der Zeit als nicht lebbar erweist! Eine Kunst des Lebens mit der ausbleibenden Liebe bestünde darin, nicht zu viel von vergangener oder künftiger Einheit zu träumen, sondern die Zweiheit als gegeben zu akzeptieren. Das könnte gesünder sein als die Empörung über die Störung der Harmonie, der Gram über die zerbrochene Einheit, die nicht endenden Vorwürfe an den anderen wegen dessen Destruktion der "Unio mystica".

3. Das Leben ohne Liebe unterscheidet sich in einem wichtigen Punkt nicht wesentlich vom Leben mit ihr: Es bedarf der Pragmatik. Kein Grund also, der Liebe zu sehr nachzutrauern oder sie zu ersehnen: Wo sie auftritt, kann es bei ihr allein auf Dauer nicht bleiben. Liebe ist eine mehr oder weniger starke Zuneigung plus Arbeit, die der schwierige Prozess des Sich-aneinander-Gewöhnens bedeutet. So wunderbar die Gefühle sind, im Alltag zählen vor allem Gewohnheiten. Sie bestimmen das Zusammenleben, und sie ruinieren es auch, wenn sie nicht kompatibel sind. Pragmatik muss also hinzukommen. Sie ist die Insel, auf die sich die Schiffbrüchigen des Lebens und der Liebe immer retten können. Auch der Mensch, der ohne Liebe lebt.

4. Was geliebt wird, ist vor allem die Liebe. Wenn es denn unbedingt Liebe sein muss und momentan niemand in greifbarer Nähe ist, dann lohnt es sich zu fragen, worauf sie sich denn eigentlich richtet: auf einen bestimmten Menschen oder durch diesen hindurch auf "die Liebe" selbst als Idee? Wer liebt, liebt zweifellos die Unverwechselbarkeit des Geliebten, aber in jeder Liebe ist offenkundig auch ein universelles Element wirksam, sonst wäre die Übertragung der einzigartigen "wahren Liebe", wie dies vielfach geschieht, auf einen anderen Menschen undenkbar. Selbst Romantiker der wahren Liebe wie Novalis hatten keine allzu große Mühe damit. Lieben kann man also auch, ohne konkret jemanden zu lieben.