Als junger Mann war ich in Vietnam und habe an den Pariser Verhandlungen teilgenommen. Ich war Direktor des Peace Corps in Marokko. Im Jugoslawienkonflikt habe ich grausame Tragödien gesehen und mit Milo∆eviƒ verhandelt. Ich habe bei den UN zwischen Diktatoren und Scharlatanen gesessen. Ich habe zu viele Gemeinheiten gesehen und müsste ein Zyniker sein. Doch habe ich das Träumen noch nicht aufgegeben. Ich träume von einer Welt, in der die Menschen rücksichtsvoller mit jenen umgehen, die weniger vom Glück gesegnet sind. Wo die Menschen nicht ganz so zufrieden mit sich selbst sind, solange so viel Ungleichheit herrscht. Ich träume von einer Welt, in der sich die Lücke zwischen den Reichen und Armen zu schließen beginnt.

Ich sehe stattdessen eine Welt, die sich immer mehr spaltet: in Nord und Süd, reich und arm, entwickelt und unterentwickelt. Es gibt immer mehr Menschen in verzweifelter Lage. Als ich aufwuchs, wurden immer mehr Krankheiten ausgerottet: Pocken, Polio, Malaria. Okay, Pocken sind noch nicht zurückgekehrt, aber Polio und Malaria sind immer noch nicht besiegt, und Tuberkulose kommt mit Macht zurück. Wie konnte sich die Gesundheitssituation insgesamt so verschlechtern bei einem so rasanten Fortschritt der Medizin? Das ist eine üble Überraschung.

Mein Vater war Arzt, und er wollte, dass auch ich Arzt werde. Er starb, als ich ein Teenager war. Da hatte ich längst beschlossen, nicht Arzt zu werden. Viel später habe ich gemerkt, dass sein Einsatz für andere Menschen mich zutiefst beeinflusst hat. Er war (wie meine Mutter auch) Flüchtling aus einem Europa, das in Flammen stand, und er fand in Amerika die Freiheit und die Möglichkeiten, von der jeder träumt. Seine intellektuelle Neugier und seine Menschlichkeit haben mich stets inspiriert. Darum träume ich von einer Welt, in welcher der Egoismus abnimmt und die Bereitschaft, zu teilen, zunimmt. Das kann durch internationale Organisationen geschehen, durch Regierungen oder humanitäre Gruppen. Bill Gates’ Immunisierungsprogramm ist von historischer Bedeutung. Seine Anstrengungen, Impfstoffe entwickeln zu lassen, sind vorbildlich. Wir brauchen mehr "Träumer" wie ihn, wie Ted Turner oder George Soros. Wenn ich träume, dann sehe ich reiche Leute, die weniger für Schmuck ausgeben und mehr für humanitäre Hilfe.

Alle kennen diese Probleme, aber zu wenige tun etwas. Alle sitzen herum und reden darüber oder auch nur über Scheinprobleme. Sie hocken auf internationalen Konferenzen – so wie auch ich sehr oft –, trinken gute Weine, rauchen Zigarren und kommen zu dem Schluss, dass man nichts tun kann.

Die so genannte deutsch-amerikanische Krise ist für mich keine Krise, sondern ein Familienkrach. Europa und Nordamerika sollten sich zusammensetzen, um die gigantischen Probleme in Afrika, Asien und Lateinamerika, in den Armenvierteln von Großstädten wie New York oder Berlin, gemeinsam zu lösen. Das ist mein allergrößter Traum.

Es gibt genug Leute, die behaupten, solche Vorstellungen wären unrealistisch, naiv, die Träume von liberalen Softies. Die Welt sei vielmehr ein widerlicher und brutaler Ort, so wie Thomas Hobbes ihn beschrieb. Man liest in Artikeln und Kommentaren, der Mensch sei von Natur aus schlecht, Krieg die normalste Sache der Welt. Ich glaube das nicht. Ich glaube, die Mehrheit der Menschheit ist gut. Ich hatte schon die Chance, für Flüchtlinge und gegen Aids zu kämpfen, und träume davon, diesen Menschen wieder dienen zu können.

Selbst wenn ich träume, träume ich in praktischen Schritten, das ist meine Art. Ich bin kein Künstler, kein Poet und kein Schriftsteller. Auch wenn ich träume, frage ich immer nach dem Traum, der am besten umgesetzt werden könnte. In meiner Traumwelt würden die Vereinigten Staaten weiterhin die führende Macht sein. Indes würden sie ihre Macht und ihren Reichtum dazu nutzen, die Welt aktiv anzuführen im Kampf gegen all jene Probleme, die diesseits und jenseits des Terrors bestehen. In meinem Traum führen die USA, und die Europäer sind unsere Partner. Wir streiten uns weniger über Handelsfragen, sondern suchen gemeinsam nach Strategien für die Armutszonen der Welt. In meiner Traumwelt hören diese armen Länder auf, sich von Scharlatanen und Betrügern verführen zu lassen, die ihre Völker enttäuscht und bestohlen haben – wie Mugabe in Simbabwe, Dos Santos in Angola, Saddam im Irak oder Ghaddafi in Libyen.

In meiner Traumwelt handeln die Menschen rational, sie würden mehr der Wahrheit als ihren Emotionen gehorchen. Religion wäre die heilige Privatsache eines jeden Einzelnen – nicht vom Staat verordnet oder kontrolliert wie im Iran oder auf dem Balkan. Ich kann nichts dafür, dass ich auch beim Träumen so praktisch denke. Mein Traum ist keine Fantasie von Frieden auf Erden und Verbrüderung der Völker. Mit leerer Rhetorik oder Magie hat dieser Traum nichts zu tun. Krieg, Krankheit und Armut werden nicht verschwinden, selbst Träumer wissen das. In meinem Traum werden die Probleme durch Führung gelöst – im Großen wie im Kleinen.